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Jugendliche organisieren Nähwerkstatt und Nachhaltigkeitsweekend

von Jugendhaus Roxx
am
Die Projektgruppe «sameSAME», ins Leben gerufen durch die Offene Kinder- und Jugendarbeit Region Murten, hat anlässlich ihres Nachhaltigkeitsweekends selbst Pasta hergestellt, die dann auf dem Murtner Wochenmarkt verkauft wird.

Vor über einem Jahr fand das erste grosse Event von «sameSAME» statt (unsereRegion berichtete: Murtner Jugendliche planen Jugendbegegnung mit Schweden). Die Jugendlichen feierten damals den schwedischen «Midsommar» mit «Västerbottenpaj», «Kanelbullar» und reichlich eingelegtem Fisch. Die Projektgruppe «sameSAME» hat sich nämlich zum Ziel gesetzt, eine Jugendbegegnung mit Jugendlichen aus Schweden zu organisieren. Seither haben sie sich regelmässig zu weiteren Treffen verabredet, um so die Jugedbegegnung zu planen und vorzubereiten.

Sophie Bühlmann erzählt:

Um unserem Hauptthema «Nachhaltigkeit» gerecht zu werden und auch, um etwas zusätzliches Geld für das Programm im Austausch dazu zu verdienen, haben wir beschlossen, auf unserem lokalen samstäglichen Markt einige Köstlichkeiten zu verkaufen. Wir sind an den Samstagen des 20. sowie 27. Juli auf dem Wochenmarkt anzutreffen. Diese Köstlichkeiten wollten wir jedoch möglichst nachhaltig herstellen und auch verpacken, so kamen wir auf die Idee, unsere eigenen «sameSAME»-Säcklein zu nähen und eigene Soja- und Bienenwachstücher herzustellen. Zudem soll auch unser Nachhaltigkeitsweekend möglichst nachhaltig sein, d.h. mit Zug und Bus von A nach B, selbst kochen und alles was selbst hergestellt werden kann, selber herstellen und das Ganze natürlich mit einem minimalen Palstikverbrauch.
 
Am Freitag, dem 28.6.2019, begannen wir mit der Produktion der Stoffbeutel. Mit drei Nähmaschinen, Linolplatten zum Bedrucken der Säcklein und jeder Menge Stoff trafen wir uns an diesem Vormittag im Roxx. Von da an wurde genäht und geschnitzt, was das Zeug hält. Kurz vor der Mittagspause beschlossen wir, ein Picknick zu veranstalten und einen kurzen Sprung in den Murtensee zu wagen, bevor wir in die zweiten Runde gingen. Der Nachmittag schien am Ende noch produktiver gewesen zu sein, als der Morgen, auch weil wir fast die ganze Gruppe waren. Gerade im Anschluss zu unserem Nähmarathon hatten wir eine Sitzung, bei der zum ersten Mal alle Neuzugänge da waren. Wir besprachen noch einiges für das bevorstehende Nachhaltigkeitsweekend in Grosswangen LU.

Nun zum eigentlichen Weekend auf dem Bauernhof

Am 6.7.2019 trafen wir uns um 8 Uhr am Bahnhof in Murten, um die Reise nach Grosswangen anzutreten. Mit Verpflegung, Rucksack und Leiterwagen ging es über Bern und Sursee nach Grosswangen zu Dominik auf den Bauernhof. Obwohl wir zu Beginn in die falsche Richtung liefen, hatten wir den Bauernhof dann trotzdem ohne Problem gefunden. Wir wurden sogleich herzlich von Dominik und der Bauernfamilie in Empfang genommen. Die Familie selbst besitzt mehrere Hektaren Land, auf denen sie Bio-Getreide anbaut. Ausserdem hat sie einige Milchkühe und um die 2000 Leghühner, nebenbei betreibt sie einen kleinen Biohofladen mit selbstgemachter Pasta, Mehl, Eier und auch etwas Fleisch.
 
Um nicht viel Zeit zu verlieren, begannen wir sogleich mit der Pastaproduktion. Dominik erklärte uns erstmal, was es überhaupt für die Pasta braucht und einfacherweise ist das Wasser und Mehl. Anschliessen zeigte er uns die Teig- und Pastamaschine. Die Zutaten müssen zuerst vermengt werden, bevor sie als Teig in die Pastamaschine hineindürfen. In der Pastamaschine wird der Teig mit einer Art Schraube in die Form gedrückt, welche den Ausgang für die Pasta darstellt und ihnen ebenfalls die gewünschte Form gibt. Wir entschieden uns für kleine Radiatori. Das Praktische an dieser Teigmaschine war besonders, dass sie schnell, effizient und v.a. selbständig arbeitet, so mussten wir nicht die ganze Zeit danebenstehen, sondern lediglich einige Kontrollbesuche machen und das Gitter schütteln. Währenddessen die Pastamaschine mit der ersten Sorte Pasta beschäftigt war, fingen wir an, den Teig für die Crackers zu machen. Die ersten Crackers waren salzig-neutral, der der Teig jedoch schnell bröckelte, entschlossen wir uns dazu, nur noch solche mit frischem Apfelmus und Zimt oder mit gedünsteten Zwiebeln und Dill herzustellen. Währenddessen bekamen wir auch langsam Hunger und packten gleich die Chance, unsere erste Pasta zu probieren. Mit etwas frischen Tomaten, Mozzarella, Salz und Knoblauch verfeinert, genossen wir die erste frische Pasta. Dominik hatte für den Hofladen selbst auch Radiatori gemacht, welche wir dann auch noch verschlangen. Es war ein köstliches Mittagessen. Kurz nach dem Mittagessen gingen Lara und ich Brennnesseln pflücken, um auch grünliche Pasta herzustellen. Wir hatten uns bei den Farben der Pasta für Nature, gelb (mit Kurkuma gefärbt), rot (mit Paprika gefärbt) und grün (mit Brennnesseln gefärbt) entschieden. Die Cracker-Herstellung war nicht ganz ohne, das Auswallen des Teigs war das wohl härteste Training an diesem Wochenende.

Begegnung mit Tieren und Pilzrisotto

Wir hatten zudem den ganzen Tag über spannende Begegnungen mit Kühen, Kälbern, einer jungen Katze, einer frischen Katzenmutter und auch mit den Nachbarn der Familie. Zudem bekamen wir noch etwas Zuwachs, denn am Nachmittag kam auch noch unsere letzte Teilnehmerin und schloss sich uns an.
 
Um etwa 22 Uhr war alle Pasta fertig und bereit zum ersten Trocknen. Damit wir nach diesem produktiven Tag auch noch etwas entspannen konnten, machten wir ein kleines Feuer und kochten darüber ein leckeres Pilzrisotto. Wir arrangierten Strohballen als Sitzgelegenheit um das Feuer und assen genüsslich unser Risotto. Es war ein schön entspannter und ruhiger Abend. Etwas später setze sich die Nachbarin noch zu uns, erzählte aus ihrem Leben und fragte uns nach unserem Projekt. Auch der Bauer leistete uns noch ein Weilchen Gesellschaft, bevor wir schlafen gingen.
 
Da es nicht eine sonderlich schöne Nacht war, durften wir in einer Jurte schlafen, für die Meisten war es das erste Mal. Obwohl es schlussendlich eine sehr stürmische Nacht war, schliefen wir alle sehr gut in der Jurte und wurden am nächsten Morgen von der Sonne geweckt.

Hängematte zum Pasta-Trocknen

Am Sonntag, dem 7.7.2019, packten wir nun also unsere Sachen zusammen. Die Pasta wurde in Mehlsäcke verstaut und die Cracker in Keksdosen, die wir mitgebracht hatten. Das Zusammenpacken musste etwas schnell gehen, da wir uns dazu entschieden hatten, den früheren Bus zu nehmen.  Wir verabschiedeten uns von der Familie und Dominik und machten uns auf den Weg zur Busstation. Beim ersten Umstieg holten wir uns in einer Bäckerei noch ein paar Gipfeli und Brötchen als Frühstück. Es ging weiter mit dem Bus nach Sursee, wo wir zufälligerweise noch einmal dem Bauern und seinen zwei Kindern begegneten. Nach ungefähr eineinhalb Stunden Bus- und Zugfahrt kamen wir alle heil in Murten wieder an.
 
Da die Pasta noch trocknen musste, bevor wir sie abpacken konnten, kamen Alina und Dominik auf die Idee, sie an Hängematten aufzuhängen, um sie dort nochmals zwei Tage austrocknen zu lassen.
 
Als Abschluss nach diesem Wochenende voller neuer Erfahrungen, kochten wir im Roxx nochmals etwas Pasta mit Pesto und Melonen zu Mittag und hatten dann noch eine Auswertungssitzung.