40 Jahre Holzofenbäckerei Jeuss - Interview mit Gründungsmitglied Bernadette Kessler-Schmutz
Jeden Tag Holzofenbrot zu backen, ist eine handwerkliche Meisterleistung. Ist doch schon viel Vorarbeit nötig, bis überhaupt gebacken werden kann. Es fängt schon mit den „Wedele“ an, die mindestens ein bis zwei Jahre getrocknet werden müssen. Für einen Ofen braucht es etwa 3. Man rechne… ohne Ergänzung mit anderem Holz nicht mehr machbar.
Nächsten Samstag, am 29.9.18, wird das Jubiläum zusammen mit dem Dorfverein Jeuss gefeiert. Ein kleiner Rückblick im Interview mit Bernadette Kessler-Schmutz, einziges noch aktives Gründungsmitglied.
Du bist noch das einzig aktive Gründungsmitglied, was hat dich so lange gehalten?
Wir wohnen ja auch im gleichen Haus. Für mich war es ideal während der Familienphase, da ich zu unterschiedlichen Pensen arbeiten konnte. Die Abwechslung ist gross, es wird nie langweilig. Wohnen und Arbeiten im gleichen Haus ist manchmal etwas nachteilig. Es ist schwer, sich abzugrenzen und der Lärm ist da, aber insgesamt ist es trotzdem positiv.
Ihr habt ja angefangen mit selbstautonomer Geschäftsführung: Alle hatten den gleichen bescheidenen Lohn mit Kost und Logis, um die Bäckerei, den Laden und den Cher zu betreiben. Gilt dies heute noch?
Die Genossenschaftsstruktur ist geblieben und Ideen können auch alle einbringen. Am Anfang haben alle alles besprochen – heute sind die Bäcker jedoch angestellt und die Aufgaben aufgeteilt. Ein gemeinsames Wohnen gibt es nicht mehr. Auch wir müssen uns an den Gesamtarbeitsvertrag für die Bäcker halten. Die Vorgaben mit den hohen Sozialabgaben und den 5 Wochen Ferien sind für unseren kleinen Betrieb schon eine Belastung. Aber wir sind froh, immer noch Bäcker zu finden, die eine solche Mehrarbeit auf sich nehmen und Freude haben an guter Qualität.
Was hat sich in den 40 Jahren verändert?
Der Kampf ums Überleben ist deutlich grösser geworden. Eine konventionelle Bäckerei macht das Gleiche in halber Zeit. Wir betreiben eigentlich eine Spezialitätenbäckerei, verkaufen aber zu einem normalen Preis. Wir sind ständig auf der Suche nach regionalen Nischenprodukten, wie Milchprodukten und Fleisch, zunehmend ökologisch und bio. Zum Glück haben wir einen grossen Kundenstamm, der es schätzt, dass bei uns noch „gehebelt“ wird, d.h. am Abend der Vorteig gemacht. Zudem werden die administrativen Arbeiten ständig grösser. Für uns waren die Krankheit und der Tod von Daniela Offner ein schwerer Schlag. Sie hat den Laden während 30 Jahren stark mitgeprägt.
Ihr macht immer noch den „Cher“ – rechnet sich das?
Der Cher ist eine Mischrechnung – wenn wir überall knallhart nachkalkulieren würden, gäbe es den Cher und uns wohl überhaupt nicht mehr. Wir haben immer noch viel Freude an unserer Arbeit. Das ist wichtiger, als jede Minute abzurechnen.
Wie sieht die Zukunft aus?
(Bernadette zuckt mit den Schultern) Es wird jedes Mal schwieriger, einen Bäcker zu finden, der die Mehrarbeit mit dem Backen im Holzbackofen auf sich nimmt. Heisst dies doch Arbeitsbeginn zwischen 23.00 Uhr und Mitternacht. Auch das Finden entsprechender Nischen, insbesondere im Winter, wird zunehmend schwieriger. Wir spüren immer mehr, dass es nachteilig ist, keinen Standort an einer Durchfahrtsstrasse zu haben. Wir müssten noch grössere Abnehmer von Backwaren finden. Mit den Margen im Laden können wir nicht überleben.
Welche grossen Herausforderungen siehst du auf euch zukommen?
Unsere Equipe ist auch älter geworden. Wir müssen den Generationenwechsel schaffen und sollten auch mehr Werbung machen. Das ist aber nicht einfach, wenn wir dafür eigentlich keine finanziellen Mittel haben. Mit der ganzen Digitalisierung sollten wir auch Schritt halten. Wir haben unsere Homepage aktualisiert und unsere Jungen haben uns bei Instagram geholfen. Aber es muss sich dann immer jemand um die Aktualisierung kümmern.
Diesen Samstag feiert die Holzofenbäckerei ihr 40 Jähriges bestehen. Weitere Infos dazu finden Sie hier: Agendabeitrag "40 Jahre Holzofenbäckerei Jeuss"