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Hinter den Kulissen des Museum Murten - Direktor Ivan Mariano im Interview

Ivan Mariano ist 37 Jahre jung und lebt in Murten. Er hat Geschichte des Mittelalters studiert und doktoriert und ist Direktor des Museums Murten.

von Jodok Kaufmann
am

Ivan Mariano ist 37 Jahre jung und lebt in Murten. Er hat Geschichte des Mittelalters studiert und doktoriert und ist Direktor des Museums Murten.

Wie und wann sind Sie zu dieser Position gekommen?

Früher habe ich Teilzeit als Lehrer an der OS Murten gearbeitet. Ich habe ebenfalls an der Universität Freiburg als Assistent für Geschichte des Mittelalters gearbeitet. Didaktisches mache ich gern, was auch jetzt ein Teil der Arbeit ist. Ein Museum vermittelt ja schliesslich Wissen an Menschen und da stellt sich immer die Frage, wie man das vermitteln will. Da ich mich immer schon für das Historische der Region interessierte und auch einige Arbeiten darüber geschrieben hatte, habe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle beworben. Im Februar 2012 habe ich im Museum Murten angefangen.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?

Am meisten ist es wohl der Kontakt mit Menschen. Ich komme mit so vielen verschiedenen Personen in Verbindung. Seien es Schüler, ältere Menschen oder Künstler. Das ist sehr interessant und abwechslungsreich. Ausserdem müssen wir wissenschaftlich, sowie innovativ arbeiten. Diese Vielfalt an meinem Beruf gefällt mir sehr und die Fachbereiche sind spannend. Ich kann mit künstlerischen und historischen Themen arbeiten.

Diesen Sommer waren es Freiburger Fotografen, die 2m2 zur Verfügung hatten, jetzt sind es flüchtige Momente zwischen Vergangenheit & Zukunft – Wie kommen Sie jeweils zu den Themen?

Wichtig bei der Themenauswahl ist uns, dass es einen gewissen regionalen Bezug aufweist, aber auch überregional relevant ist. Die Wahl der Themen und die Vorbereitung finden jeweils in internen Diskussionen statt und sind ein langer Prozess. Im Moment sind wir bereits an den Vorbereitungen einer Ausstellung im Jahr 2020. Wir haben jeweils eine thematische Ausstellung von Juni bis Oktober und zwei künstlerische. Bei den Thematischen suchen wir explizit regionale Themen, 2016 beispielsweise gedachten wir dem 600 Jahre zurückliegenden Stadtbrand, im 2014 «Wein und Weinbau im Vully» und nächstes Jahr wird es eine Fotoausstellung über das Thema Dreiseenland geben. Bei den künstlerischen Themen versuchen wir jeweils, nicht nur figurative, sondern auch abstrakte Kunst auszustellen, um eine breitere Masse anzusprechen. Dies im Allgemeinen mit Freiburger Künstlerinnen und Künstlern.

Sie haben an der letzten Generalratssitzung einen Kredit von 160'000 CHF zugesprochen bekommen – was sind die Pläne damit?

Der Kredit ist für unser Depot und für die damit verbundenen Arbeiten wie Restaurierung und Konservierung. Letzte Woche haben wir gerade ein Gemälde zu einer Restauratorin gebracht. Das Depot brauchen wir, da man ja nicht immer alles ausstellen kann. Früher beispielsweise interessierten sich die Menschen vielmehr für Waffen, wodurch die Ausstellung mehr Waffen enthielt. Davon ist nun ein Teil wieder im Lager und stattdessen zeigen wir andere Stücke.
Die Zeiten ändern sich und somit auch die Schwerpunkte einer Ausstellung und die Art, sie zu vermitteln.

Murten ist vorwiegend eine Sommerdestination für Touristen – Spüren Sie das auch im Museum?

Bis vor einigen Jahren hatten wir im Winter gar nicht geöffnet, da auch die nötige Heizung fehlte. Nun haben wir auch an den Wochenenden im Winter geöffnet, bis auf einen kurzen Zeitraum, wo eine kleine Renovation stattfinden wird.

Was wir eher spüren ist das Wetter während den Sommermonaten. Im Sommer 2014 zum Beispiel, als es sehr viel regnete, hatten wir mehr Besucher als im Schnitt. Mit diversen Vorträgen, Führungen und Ateliers probieren wir jedoch, ganzjährig attraktiv zu bleiben.

Hatten Sie auch schon prominenten Besuch hier?

Das war auch im Jahr 2014, als wir die Wein und Weinbau Ausstellung hatten. Da hatten wir den Sommelier-Weltmeister zu Gast.
Klar ist es schön, eine prominente Person da zu haben, aber wir heissen alle gleich willkommen. Der Empfang ist sehr wichtig. Wir möchten, dass sich die Leute wohl fühlen im Museum, ob es nun ein Weltmeister ist oder ein Schüler.

Auf welches Ausstellungsstück sind Sie besonders stolz?

Alle (lacht)! Nein, das kann ich so nicht beantworten. Mir gefällt das Gesamte. Wir haben hier bis zu 6000 Jahre alte historische Stücke. Ich finde es wertvoll, mit der Vergangenheit in Kontakt zu bleiben. Allgemein ist es in unserer immer virtueller werdenden Welt wichtig, sich seiner Wurzeln und Vergangenheit bewusst zu sein. Ein Museum hat dabei eine zentrale Rolle zu spielen. Historische Objekte sind reelle Spuren vergangener Zeiten.

Welches ist Ihr Lieblingsmuseum, natürlich abgesehen vom Museum Murten?

Das ist schwierig. Mir gefallen die Museen unseres vielseitigen Kantons, sowie ein Museumzum Beispiel in Wien oder Rom. Ich will mich hier auch gar nicht festlegen, denn ich denke, wenn ich jetzt eins favorisieren würde, meine Sicht ein wenig eingeschränkt würde. Ich probiere jeweils, die interessanten und schönen Dinge einzeln zu geniessen.