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Leserbrief: Littering wird zum grossen Problem

von unsereRegion
am
(Symbolbild)

Im Murtenbieter vom 30. Juni 2020 nimmt der Stadtschreiber, Herr Bruno Bandi, im Artikel zur Littering-Problematik auf der Pantschau-Wiese, aber auch auf dem Vully oder entlang des Broye-Ufers, Stellung. Leider lässt mich sein Statement ratlos zurück, denn er als Vertreter des Gemeinderats scheint ebenfalls ratlos, wie renitente Jugendliche, Touristen und Familienausflügler dazu bewegt werden können, ihren Abfall nicht achtlos in die Natur zu werfen, wie das «Umdenken» erfolgen soll. Seine Vermutungen, Überlegungen und Befürchtungen kann ich nicht ganz nachvollziehen, denn im Artikel ist zu erfahren, dass das Bedürfnis der Schüler am Schuljahresende nach Vermüllung ihres Umfeldes ein sich jährlich wiederholendes ist. Im Internet erfuhr ich, dass die Motion für das Gesetz gegen Littering, das dieses Jahr in Kraft getreten ist, aus dem Jahr 2013 stammt. Der Staatsrat Jean-Fançois Steiert sagte 2018 zu dem Gesetzentwurf: «Wer kleine Mengen von Siedlungsabfällen wegwirft oder liegenlässt, ohne die dafür vorgesehenen Abfallbehälter oder Sammelstellen zu verwenden, soll gebüsst werden».
 
Herr Bandi beklagt in dem Artikel den Anspruch von uns Bürgern an die Gemeinde, dass sie die vom Staatsrat erlassenen Gesetze umsetzt und deren Einhaltung kontrolliert. Das verstehe ich nicht, denn es gibt permanent Menschen, die gegen Gesetze verstossen, und gegen diese muss der Staat vorgehen und sie mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln auf den «rechten Pfad» bringen. Deshalb werfe ich den Ball an den Gemeinderat zurück mit der Erwartung, dass die von uns gewählten Gemeinderäte gemeinsam Strategien entwickeln, wie das Problem zu lösen ist. In der Corona-Krise hat sie Wege gefunden, Energien in der Bevölkerung freizusetzen, sich solidarisch zu zeigen und unseren gefährdeten Mitmenschen zu helfen. Auch im Problemfall des Littering kann die Gemeinde auf uns Bürger zählen, mitzumachen, wenn sie uns eine Strategie vorlegt, bei der wir alle an einem Strang ziehen. Dabei sollten die Detaillisten in die Diskussion eingebunden werden, die sich in den letzten Jahren von der Mehrweg-Getränke-Binde grösstenteils verabschiedet haben und mit ihrem nicht nachhaltigen Verkaufssortiment (inkl. Plastikverpackungen) zur Problematik beitragen.
 
Als ich am Dienstag nach Pfingsten joggen ging, auf dem Hinweg meiner Runde die Müllberge sah, bot sich mir auf dem Rückweg ein Bild, das mich in die mögliche Zukunft unserer Kinder und Enkel blicken liess: eine auf der Wiese neben den Abfallbergen spielende Schulklasse. Ich fragte mich, ob der Lehrerin egal war, was da neben ihnen lag, oder ob sie vor dem Beginn des Spiels die Schüler auf diesen Missstand aufmerksam gemacht hat. Ich weiss es nicht, leider habe ich sie nicht gefragt. Deshalb wäre es interessant, zu erfahren, wie das Schulfach «Umwelt» in der Orientierungsschule Murten umgesetzt wird. Denn der Grundstein für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur und der Umwelt wird schon im Kindesalter gelegt, entweder durch die Eltern oder die Schule (am besten natürlich durch beide Erziehungsträger).
 
Ich bin gespannt auf weitere Antworten unserer Gemeindevertreter.
 
Kathrin Aebi, Murten