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Murtenschiessen - Vier Minuten Konzentration und ein Tag voller Tradition und Geselligkeit

1430 Schützinnen und Schützen kamen diesen Sonntag zum traditionellen Schiesswettkampf nach Murten.

von Guido Kaufmann
am

1430 Schützinnen und Schützen kamen diesen Sonntag zum traditionellen Schiesswettkampf nach Murten.

Auf den Tag genau 95 Jahre nach seiner ersten Austragung fand heute Sonntag auf dem Bodemünzi das traditionelle Murtenschiessen statt. Nachdem der Anlass mit der Pandemie einen Teilnehmereinbruch erlitten hatte, erfreute er sich in den letzten Jahren wieder zunehmender Beliebtheit. 1430 Schützinnen und Schützen aus der ganzen Schweiz und von zwei Gruppen aus Deutschland, fanden sich zu diesem Wettkampf an historischer Stätte ein. Besonders erfreulich ist dabei für die Organisatoren die stark zugenommene Teilnehmerzahl von heuer 130 JungschützInnen. 

Geschossen wird beim Murtenschiessen liegend auf alten Futtersäcken, vom Bodemünzi Richtung Münchenwiler, auf eine Distanz von 200 Meter.12 Schuss müssen in vier Minuten abgegeben werden, auf eine speziell gestaltete Scheibe, deren Bild bis zum Schiesstag geheim gehalten wird. Aufgrund der unüblichen, kürzeren Distanz gegenüber dem klassischen Stand- oder Feldschiessen ist diese auch einiges kleiner. Nicht minder gross dagegen sowie unüberseh-- und hörbare ist jedoch der Ehrgeiz der SchützInnen, würde sich "Sieger des Murtenschiessens" doch in jedem Palmarès gut machen.

Die bekannte, gelebte Kameradschaft und Geselligkeit im Schiesssport fehlt natürlich auch an diesem Traditionsanlass nicht. Umrahmt wird der vierminütige, konzentrierte Wettkampfeinsatz von einem ganztägigen Festprogramm. Dieses startet jeweils frühmorgens vor dem Berntor, wo der schweisstreibende Marsch zum Schiessplatz startet. Der diesjährige Festredner, Altbundesrat Christoph Blocher, der den Weg zum Bodemünzi auch unter die Füsse nahm, griff dies in seiner Rede dann auch gleich auf. Er schlug vor, das Rednerpult des Nationalrates doch auch aufs Bodemünzi zu verlegen, was die Sitzungszeiten im Nationalrat bestimmt gleich deutlich reduzieren würde.

Christoph Wieland, der die Leitung des Anlasses dieses Jahr von Heinz Thalmann übernommen hat (lesen Sie dazu unser Interview), konnte viele Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Militär willkommen heissen. Alle Redner des Festaktes schlugen in ihren Worten die Brücke zur Besetzung von Murten anno 1476, wo der auf dem Bodemüntzi stationierten Karl den Kühne mit moderner Bewaffnung einem «eidgenössischen Gewalthaufen mit Speer und Hellebarden» gegenüberstand», wie es Christoph Blocher in seiner witzigen Rede ausdrückte. In seiner Ansprache fehlte es natürlich auch nicht an Seitenhieben gegenüber der Classe Politique und derer oftmals fehlenden Besinnung auf die Werte der Schweiz, die es «immer wieder von neuem zu erkämpfen» gelte.

Zum Festakt gehörte auch ein Gottesdienst , der vom Feldprediger Johannes Zimmermann gehalten und musikalisch von der Stadtmusik Murten begleitet wurde. Selbstverständlich mit gemeinsamem Singen des Schweizerpsalms bei Blick auf das historische Städtchen Murten, wo die Schweizer Geschichte vor 549 Jahren eine andere Wendung hätte nehmen können, wie es Christoph Blocher in seiner Rede ausführte.

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