Murten im Winterschlaf
Die Winter in unserer Region waren vor 60 Jahren deutlich kälter als heute. 1963 war der Murtensee sogar komplett zugefroren (Quelle 1). Am 14. Januar 1963 um 7:30 Uhr wurde in Neuchâtel an der Wetterstation (Observatoire Cantonal) eine Lufttemperatur von -18.8°C (relative Feuchtigkeit 87 %) gemessen, in Bern -21.8°C und in Bever (Kanton Graubünden) sogar -32.8°C. Die Kältewelle begann am 12. Januar und dauerte rund 27 Tage bis zum 7. Februar. Erst diese lange Periode reichte, um alle Drei Juraseen gefrieren zu lassen. Die Eissdicke des Murtensees wurde sogar derart stark, dass ein LKW darauf fahren konnte. Dies war früher keine Seltenheit, wie unser Regionaut und Stadtarchivar Markus Rubli berichtete (Als in Murten Winter noch Winter waren).
Am Samstag, 5. Januar 1985, bei einer Wanderung in Greng mit starker Bise und Dampfschwaden über dem Murtensee, gefror der Auslöser meiner neuen Kamera Canon T70. Trotz Auftau-Versuchen steckte der Auslöseknopf am unteren Anschlag fest. Die Messstation in Neuchâtel notierte an diesem Tag um 7:00 Uhr eine Temperatur von -11.9°C. Am 6. Januar wurde in Samedan-St. Moritz (Flugplatz) sogar eine Lufttemperatur von -35.3°C gemessen!
Ab den 2000er-Jahren haben wir jedoch bis heute keine sehr kalten Winter mehr gehabt. Wie zwei Fotos zeigen, war es beispielsweise am 15. und 17. Februar 2012 genug kalt, dass der Murtensee über die Uferzonen hinaus gefror. Die Eisschichten waren jedoch nur sehr dünn und keinesfalls mit der "Seegfrörni" von 1963 zu vergleichen. Nach ein paar Tagen war das Eis wieder weg.
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1 / 4BildergalerieIm Jahr 2012 gefror der Murtensee das letzte Mal teilweise (Foto: © 2012 by René Merz/Murten). -
2 / 4BildergalerieIm Jahr 2012 gefror der Murtensee das letzte Mal teilweise (Foto: © 2012 by René Merz/Murten). -
3 / 4BildergalerieIm Jahr 2012 gefror der Murtensee das letzte Mal teilweise (Foto: © 2012 by René Merz/Murten). -
4 / 4BildergalerieIm Jahr 2012 gefror der Murtensee das letzte Mal teilweise (Foto: © 2012 by René Merz/Murten).
Auf dem Foto vom 3. Januar 2018 (Bildstrecke unten) sieht man, wie ungewöhnlich starke Orkanböen (Sturmtief Burglind) den Murtensee aufwühlen. Das Foto mit der Ansicht auf die Altstadt und das kleine Boots-Becken zeigen, dass es auch am 17. Februar 2019 vergleichsweise mild war. Einige uns bekannte Murtner gehen an solchen Tagen locker mit dem T-Shirt spazieren. Also weniger Bise und mehr Westwindlagen in den letzten 20 Jahren?
Das Diagramm "Seegfrörnen Schweizer Seen 1901-2020" (Quelle 2) kann daher auch beweisen, dass sich das Klima in der Schweiz in den letzten 60 Jahren verändert hat: Es wird wärmer!