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Kultur /Kolumne
Markus Rubli

Als in Murten Winter noch Winter waren

Bereits als Teenie – und das ist nun doch schon einige Jahrzehnte her – faszinierte mich Murten. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass ich mit meinen Eltern und Grosseltern in einem uralten Haus an der Ryf lebte. Fasziniert von dessen Geschichte wählte ich einen kaufmännischen Beruf mit literarischem Hintergrund, beschäftigte mich schon früh als Lokalhistoriker und publiziere seit Jahren Arbeiten über unser Städtchen, halte Vorträge und betreue das Stadtarchiv im Nebenamt. Gleichzeitig entstand eine interessante Sammlung von Bildquellen und Sachgütern über unsere Region. Knapp zehn Jahre war ich Mitglied des Murtner Generalrates. In meinen Berichten werde ich für Sie historische und aktuelle Geschichten aus der Region aufgreifen.

Bereits als Teenie – und das ist nun doch schon einige Jahrzehnte her – faszinierte mich Murten. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass ich mit meinen Eltern und Grosseltern in einem uralten Haus an der Ryf lebte. Fasziniert von dessen Geschichte wählte ich einen kaufmännischen Beruf mit literarischem Hintergrund, beschäftigte mich schon früh als Lokalhistoriker und publiziere seit Jahren Arbeiten über unser Städtchen, halte Vorträge und betreue das Stadtarchiv im Nebenamt. Gleichzeitig entstand eine interessante Sammlung von Bildquellen und Sachgütern über unsere Region. Knapp zehn Jahre war ich Mitglied des Murtner Generalrates. In meinen Berichten werde ich für Sie historische und aktuelle Geschichten aus der Region aufgreifen.

Schlittschuhläufer im alten Murtner Hafen vor dem Bau der heutigen Quaianlagen und des Dammes (1893-1895). Links das frühere Hotel Schiff (abgebrannt 1904).

Die hohen Februartemperaturen haben dieses Jahr alle Rekorde gebrochen. Dass es auch andere Zeiten gab, veranschaulichen Blicke in alte Aufzeichnungen und Presseartikel, Bildersammlungen sowie private Fotoalben. Eine «Seegfrörni» – also das komplette Zufrieren des Sees – war stets das dankbare Thema im Lokalblatt «Der Murtenbieter». Diese Berichte sind heute interessant für Forscher verschiedenster Disziplinen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Neben dem rein Statistischen, erzählen sie uns von Vorlieben und Freizeitbeschäftigungen. Insgesamt konnten im 20. Jahrhundert 25 Fälle eruiert werden, in welchen der Murtensee ganz zugefroren war. Dabei war die Eisschicht mindestens partiell über kürzere oder längere Zeit gut begehbar, in selteneren Fällen kam es gar zu einer «Seegfrörni», deren spektakuläre, richtig dicke Eisschicht bis zu mehreren Wochen bestand. Sofort nahmen die Schlittschuhläufer die Eisflächen in Beschlag, mutige Spaziergänger wagten sich sogar von Murten aus auf dem kürzesten Weg über den See an das Vully-Ufer nach Praz und Motier. Man organisierte verschiedenste Eisevents und zog mit dem Pferdeschlitten über die glitzernde Fläche, später waren Eissegler und andere gewagte Fahrzeuge im Trend. Legendär ist heute noch die Autofahrt eines Muntelierers auf dem Eis. Älteren Leuten sind hauptsächlich die «Seegfrörni» vom Februar 1956 und von 1963 (später Januar bis weit in den Februar) in guter Erinnerung.

Ich habe für Sie meine Bilddokumentation durchsucht und im privaten Fotoalbum geblättert. Gefunden habe ich eine wunderschöne Ansichtskarte mit Schlittschuhläufern vor der eindrücklichen Stadtkulisse aus den 1890er-Jahren. Ferner gibt’s vom Februar 1956 ein paar Fotos von mir als 18-monatiger Knirps in meinem geliebten, blauen Winterjäckchen mit weissem Plüschkragen. Noch war ich nicht besonders gehsicher, was der stolze Papa geflissentlich mit seiner museumswürdigen Klappkamera festhielt. Dass schneereiche Winter zu regem Schneehüttenbau anregten, dokumentiert eine schon leicht verblichene Farbaufnahme von anfangs 1962. Heute unvorstellbar, damals wurden die weissen Massen auf dem Parkplatz beim Hotel Schiff mit dem Schneepflug einfach zusammengeschoben, wo sie im Frühling wegschmelzen konnten. Ein Eldorado für die Jugend von der Ryf und vom Stedtli.