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Ein Blick hinter die Kulissen des Musicals "Annie" - Produktionsleiterin Gerti Haymoz im grossen Interview

Das Kellertheater Murten feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Jubiläum. Passend dazu bringt der Verein das Musical «Annie» auf die Bühne im Beaulieupark. Mit viel Musik und charmanter Schauspielkunst beschreibt es das Schicksal des Waisenkindes Annie. Unsere Regionautin Marianne Oppliger hat Vorstandsmitglied und Produktionsleiterin Gerti Haymoz zum Interview getroffen.

von Marianne Oppliger
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Das Kellertheater Murten feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Jubiläum. Passend dazu bringt der Verein das Musical «Annie» auf die Bühne im Beaulieupark. Mit viel Musik und charmanter Schauspielkunst beschreibt es das Schicksal des Waisenkindes Annie. Unsere Regionautin Marianne Oppliger hat Vorstandsmitglied und Produktionsleiterin Gerti Haymoz zum Interview getroffen.

Marianne O.: Frau Haymoz, zum grossen Jubiläumsjahr des Kellertheaters Murten hat sich der Vorstand ein grosses Projekt vorgenommen, „Annie - Das Musical“. Was hat Sie zu diesem Stück inspiriert?

Gerti Haymoz: Zum einen wollten wir vom Vorstand zum Jubiläum etwas Einzigartiges wagen und auf der anderen Seite war von aller Anfang an klar, dass wir den Nachwuchs fördern und darum etwas mit vielen Kindern und Jugendlichen machen wollten. 

Wie wird das kostenaufwendige Musical finanziert?

Wir haben sehr viele Gönner und Wohlgesinnte. Ausserdem haben wir im Spätherbst 2017 auf wemakeit.ch ein Crowdfunding gestartet, welches uns glücklicherweise die noch fehlenden Gelder gebracht hat. Der Rest wird durch die Ticketeinnahmen finanziert.   

Wie viele Spieler und Musiker sind an dieser Aufführung beteiligt?

Insgesamt haben wir 30 SpielerInnen. Die Kinderrollen haben wir aber doppelt besetzen können, und so werden pro Aufführung 24 Künstler auf der Bühne stehen. Das heisst, dass die Kinder nur jedes zweite Mal spielen werden. Daneben wird die Musik von einem 11-köpfigen Ad-hoc-Orchester gespielt, welches ebenfalls auf der Bühne Platz findet. 

Eine Inszenierung dieser Grösse braucht so viele Helfer?

Oh ja – das hatten wir anfänglich etwas unterschätzt, zumal wir nicht alle Chargen, wie erhofft, mit Freiwilligen besetzen konnten. So haben wir vom Vorstand vieles übernehmen müssen, was wir gerne abgegeben hätten. Für den Aufbau der ganzen Infrastruktur (Zeltbau, Technik, Bühnen- und Kulissenbau) hatten wir aber zum Glück insgesamt ca. 20 HelferInnen gefunden, die uns tatkräftig unterstützt haben. Ausserdem sind pro Aufführungsabend 14 Freiwillige auf der Piste. Diese halfen an Posten wie Gastronomie, Kasse, Ticketkontrolle, Platzanweisung, Garderobebetreuung der Kinder, Reinigung, Nachkontrollen etc.

Pro Aufführung stehen 24 Künstler auf der Bühne. Dazu kommt ein 11-köpfiges Orchester.

Welcher Zeitaufwand steckte hinter der Produktion und wie viele Proben waren notwendig, bis das Musical bühnenreif war?

Der Zeitaufwand für alle war bei dieser Produktion extrem gross. Wir hatten im September 2017 mit dem Einstudieren der Lieder begonnen. Im November kamen dann die Choreografie-Proben dazu und erst im Januar probte das Ensemble dann auch szenisch. Ende April war dann zum ersten Mal das Orchester mit dabei, welches das Repertoire der zum Teil schwierigen Melodien vorher ausserhalb des Theaters einstudiert hatte. Das Puzzle war somit komplett. 

Wurden vom Produzenten und von der Suisa Auflagen gemacht?

Produzentin des Musicals ist das Kellertheater Murten. Als Mitglied des ZSV (Anm. d. Red.: Zentralverband Schweizer Volkstheater) sind wir einem Gesamtvertrag mit der Suisa (Anm. d. Red.: Schweizer Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik) angeschlossen und brauchen darum nicht speziell abzurechnen. Durch die Musik- und Bühnenverlag Zürich AG, die uns die Rechte zur Inszenierung erteilt hatte, wurden uns aber sehr viele Auflagen gemacht. So war es uns unter anderem leider untersagt, Ton- und Videoaufnahmen zu machen.

Wie haben Sie die Kinder und Jugendlichen während der ganzen Theaterzeit erlebt? Was war schön, was haben Sie als schwieriger erlebt?

Im Rückblick war die ganze Inszenierung eine enorme Bereicherung. Vor allem die Arbeit mit den Kindern. Deren Freude und Begeisterung, mitmachen zu dürfen, hat viele schwierigere Momente wieder wettgemacht. Vor allem für die beiden Annie’s war die ganze Probezeit (nebst der Schule) eine enorme Herausforderung, die sie aber mit Bravour gemeistert haben. Etwas schwierig war zum Teil die Disziplin – die Kinder wie ein Sack voll Flöhe. Wir hatten – im Verhältnis zu «Indoor-Produktionen» – relativ wenige Proben und darum mussten wir vom Produktionsteam immer wieder darauf pochen, pünktlich zu sein und konzentriert mitzumachen.   

Was war Ihrer Meinung nach die grösste Herausforderung?

Für mich als Produktionsleiterin war die grösste Herausforderung, alles unter einen Hut zu bringen, richtig zu koordinieren und auch die kleinen Details nicht zu vergessen. Ich habe Offerten eingeholt, das Ensemble betreut, mit der Stadt verhandelt, alle Bewilligungen eingeholt, mit der Technik koordiniert, Beschriftungen erstellt und, und, und. Das hat mir ein paar schlaflose Nächte beschert, aber der Aufwand hat sich gelohnt! 

Was denken Sie, wird den jungen Menschen von dieser erlebnisreichen Erfahrung bleiben?

Es hat den Kindern und Jugendlichen enorm Eindruck gemacht, wie viel es zu einer Inszenierung braucht. Darum glaube ich, dass sie diese Zeit nicht so schnell vergessen und noch lange mit Freuden und Stolz daran zurückdenken werden. Und wir vom Vorstand hoffen natürlich auch, dass wir viele davon mit dem Theatervirus haben anstecken können und sie bald wieder auf der Bühne des Kellertheater Murten sehen werden.

Frau Haymoz, ich danke Ihnen für das Gespräch und die riesige Arbeit im Zusammenhang mit dem Musical „Annie“!

Informationen zum Programm des Musicals finden Sie auf der Website des Kellertheater Murten.