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So funktioniert die Stadtmusik Murten – Präsidentin und Dirigent im Interview

Die Stadtmusik Murten hat sich in den letzten Jahren zu einem stattlichen Ensemble entwickelt. Zu verdanken sind diese Erfolge unter anderem Präsidentin Brigitte Bosch-Steffen und Dirigent Beat Weber. unsereRegion hat die beiden zum Interview getroffen.

von Joel Rathgeb
am
Dirigent Beat Weber und Präsidentin Brigitte Bosch-Steffen geben alles für die Stadtmusik Murten.

Die Stadtmusik Murten hat sich in den letzten Jahren zu einem stattlichen Ensemble entwickelt. Zu verdanken sind diese Erfolge unter anderem Präsidentin Brigitte Bosch-Steffen und Dirigent Beat Weber. unsereRegion hat die beiden zum Interview getroffen.

Wie seid ihr beide zur Stadtmusik gekommen?

Brigitte Bosch-Steffen: Da darf ich wohl zuerst das Wort ergreifen (lacht). Im 2011 kam Brigitte Mojon, die ich aus der Fastnachtsclique «Ringmurechutze» kannte, zu mir. Sie sagte mir, dass es der Stadtmusik schlecht gehe und der Verein wohl auseinanderfalle. Das traf mich wie der Schlag. Deshalb bot ich ihr meine Hilfe an. Als sie mich dann ein paar Wochen später fragte, ob ich Präsidentin werden wolle, sagte ich direkt zu. Ich hatte keine Ahnung, auf was ich mich da einliess. Ich kann doch weder Noten lesen, noch ein Instrument spielen (lacht). Doch ich wollte das anpacken, da mir die Stadtmusik am Herzen liegt. Ich übernahm deshalb die Präsidentschaft anfangs 2012.
Ein Problem war damals auch, dass uns ein Dirigent fehlte. Wir hatten zwei Kandidaten, von denen wir dann Urs Güdel engagierten. Im ersten Jahr lief es nicht schlecht, doch es kam relativ schnell eine grössere Missstimmung auf. Alteingesessene Mitglieder spielten sogar mit dem Gedanken, den Verein deswegen zu verlassen. Mein erster Gedanke war: «Ich muss Beat anrufen!» Ich traf ihn dann im Frühling 2014 im Hotel Murten und erklärte ihm die Situation. Danach liess er uns ganze vier Wochen im Dunkeln. Dann, am frühen Morgen am Tag der Soli, schrieb er mir eine SMS, dass er gerne unser neuer Dirigent wird. Ich freute mich riesig!
 
Beat Weber: Genau, ich übernahm den Verein dann anfangs 2015. Aber alles der Reihe nach. Zuerst möchte ich erwähnen, dass ich schon einmal fünf Jahre lang Dirigent der Stadtmusik war! Damals war ich 28 Jahre alt. Es lief gut, wir waren 60 Musikanten in der Stadtmusik. Nach intensiven fünf Jahren gab ich das Amt ab, weil ich nochmals ein Studium aufnahm. Später ging es längere Zeit bergab, bis nur noch 25 Personen in der Stadtmusik waren. Auch die Stimmung war nicht gut, mir kam das eine oder andere zu Ohren. Das tat mir im Herzen weh! Obwohl ich mir mal gesagt hatte, dass ich nicht mehr zurückkehren werde, tat ich dann genau das, als mich Brigitte fragte.

Welches sind die grössten Herausforderungen, die eure Funktionen im Verein mit sich bringen?

Brigitte Bosch-Steffen: Eine Herausforderung ist, die Equipe zusammenzuhalten. Und zwar so, dass die Mitglieder mit Herzblut dabei sind und nicht einmal kommen und dann wieder zwei Monate Pause machen. Eine weitere Herausforderung ist, dass wir sowohl jüngere als auch ältere Mitglieder motivieren können, dabei zu sein und zu bleiben. Mir ist auch wichtig, dass die, die dabei sind, dies mit Herzblut tun. Man soll und darf stolz sein, mit der rotblauen Uniform durchs Stedtli zu marschieren! Und dann kommt da natürlich noch das Musikalische, doch da muss ich Beat das Wort übergeben (lacht).
 
Beat Weber: Im 2015 war die Herausforderung ganz klar, den Verein wieder aufzubauen. Das haben wir, glaube ich, ganz gut geschafft. Was nicht einfach ist, ist gleichzeitig das musikalische Niveau hoch zu halten. Die Spieler, die von der Kadettenmusik kommen, haben halt noch ein tieferes Niveau. Das ist nicht abschätzig gemeint, sondern entspricht dem Stand der Ausbildung und ihrer Erfahrung. Ich habe generell hohe Ansprüche an mein Orchester bezüglich Rhythmus, Musikalität und Genauigkeit. Wenn ich jedoch zu viel von den Musikern verlange, verlieren diese schnell den Spass an der Sache. Und da wir momentan so viele Junge dabeihaben, ist es sehr wichtig, ein Mittelmass zu finden. Eine weitere grosse Herausforderung bleibt mein Weggang. Wenn ich mal als Dirigent zurücktrete, muss der Verein weiter funktionieren und sich entwickeln können. Und ich werde nicht mehr 20 Jahre Dirigent bleiben.
 
Brigitte Bosch-Steffen: Das ist bei mir genau dasselbe. Wenn ich gehe, muss unbedingt jemand mein Amt übernehmen, der das mit Herzblut macht.

Was tut ihr, damit die Stadtmusik Nachwuchs hat, damit junge Kräfte dem Verein beitreten?

Beat Weber: Das Nachwuchsprogramm ist Chefsache. Deshalb kümmere ich mich selbst drum. Wir haben jeden Sommer ein Pizzaessen, zu dem wir Interessenten einladen und sie informieren. Zudem schaue ich, dass wir regelmässig lustige und interessante Ausflüge machen. Mit den Kadetten, die uns aushelfen kommen, waren wir zum Beispiel bei einem Alphornbauer. Danach durften alle einen Helikopterrundflug machen. Ein anderes Mal waren wir in einem Musical. Mit denen, die bereits im Verein sind, unternehmen wir Reisen. Im 2017 waren wir zu zwölft drei Tage in London und haben diverse Aktivitäten zum Thema Musik gemacht. Diesen Frühling waren wir mit über 30 Musikanten/innen in Amsterdam (unsereRegion berichtete: Stadtmusik-Rock in Amsterdam). Für mich sind diese Aktivitäten das Kernstück der Mitgliederbindung.
 
Brigitte Bosch-Steffen: Und damit die langjährigen Vereinsmitglieder nicht zu kurz kommen, war ich letztes Jahr mit ihnen in Bräunlingen in Deutschland (unsereRegion berichtete: Unterwegs – en chemin mit der Stadtmusik). Damals kam auch der Gemeinderat mit. Dies sind natürlich Sachen, die den Verein zusammenhalten.

Was sind die schönsten Momente, die ihr mit der Stadtmusik erlebt habt?

Brigitte Bosch-Steffen: Das sind soooo viele!! Einer davon ist sicher die Soli. Das beginnt beim Brunnenfest: Da bekomme ich Hühnerhaut und Tränen! Wenn ich die Stadtmusik da zusammen mit den Kadetten spielen sehe, das kann ich gar nicht in Worte fassen. Dann ist da natürlich auch der erste August. Darauf dürfen wir auch stolz sein. Als ich das erste Mal am Nationalfeiertag mit der Stadtmusik auftrat, waren wir 19 Nasen! Es reichte kaum zum Spielen. Doch wir gingen trotzdem hin und gaben unser Bestes. Und wenn wir heute auftreten, sehen wir nach etwas aus und sind auch noch spielfähig, wenn 15 Leute fehlen. Das macht mich stolz und happy! Dann sind da natürlich noch die Städteausflüge, die für mich jedes Mal eine wunderbare Zeit bedeuten.
 
Beat Weber: Unglaubliche Momente sind diese, wenn ich bei der Probearbeit zaubern kann. Wenn ich zum Beispiel spontan das Tempo verlangsame und das ganze Orchester mitmacht und sich voll und ganz auf mich einlässt. Dann ist da natürlich das Jahreskonzert, das jedes Mal etwas Spezielles für mich ist, da wir das Einstudierte auf höchstem Niveau präsentieren dürfen und können. Auch die Marschauftritte wie die Soli sind wunderbar. Wenn man hinter sich 60 oder 70 Musiker spürt, die alles geben. Das "föhnt" dann richtig von hinten! In diesen Momenten bin ich richtig stolz, Dirigent sein zu dürfen. Auch die drei Ausflüge, auf denen ich bis jetzt dabei war, waren Highlights.

Welche Ziele hat die Stadtmusik Murten für die nächsten Jahre?

Brigitte Bosch-Steffen: Eines der Ziele ist sicher, den Verein zusammenzuhalten, das Niveau zu halten und zu festigen. Nächstes Jahr möchten wir am Kantonalen Musikfest in Broc teilnehmen, das ist eine echte Herausforderung für uns. Natürlich ist auch ein Ziel, dass mein Nachfolger bestmöglich eingearbeitet wird. Ich will ihr oder ihm mein Beziehungsnetzwerk weitergeben können.
 
Beat Weber: Das kann ich so unterschreiben.