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Der Mindestlohn – Angriff auf unsere bewährten Sozialpartnerschaften

Leserbrief von Flavio Bortoluzzi, Grossrat Freiburg zur kantonalen Initiative mit dem Titel “Für einen Mindestlohn” vom 30. November 2025

von unsereRegion Leser*in
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Leserbrief von Flavio Bortoluzzi, Grossrat Freiburg zur kantonalen Initiative mit dem Titel “Für einen Mindestlohn” vom 30. November 2025

Dass die kantonale Mindestlohninitiative der SP und Gewerkschaften ein Angriff auf die Berufslehre ist, wurde in der Leserbriefspalte bereits mehrfach aufgezeigt. Warum soll man eine Berufslehre absolvieren, wenn auch ohne diese ein staatlicher Mindestlohn garantiert wird? Die Feldversuche sind gemacht, ein Blick in die Statistiken unserer europäischen Nachbarländer genügt, deren Jugendarbeitslosigkeit lässt grüssen. Alle diese Länder kennen den Mindestlohn, nicht aber die Berufslehre. 
 
Was bei uns genauso tief verwurzelt ist, ist die Sozialpartnerschaft. Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Arbeiter und Chefs, erarbeiten gemeinsame Grundsatzverträge, welche einerseits flexibel und andererseits auf die jeweiligen Branchen zugeschnitten sind. Und es werden örtliche Besonderheiten berücksichtigt. Genannt wird dies Sozialpartnerschaft und ist eine der zentralen stärken unseres Werkplatzes. Diese Sozialpartnerschaft sorgt für eine seriöse, moderne und auf die Bedürfnisse der Wirtschaft zugeschnittene Aus- und Weiterbildung sowie für den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Sie ist Garant für den sozialen Frieden. 
 
Des Weiteren gilt zu sagen, mit dem Mindestlohn sind vor allem tiefere Löhne und einfache Tätigkeiten gefährdet: gerade Jugendliche, Quereinsteiger oder Wiedereinsteiger werden verdrängt. Wer gesundheitlich angeschlagen ist und den Wiedereinstieg sucht, verliert Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ein Mindestlohn schafft also keine neuen Jobs – er vernichtet bestehende. Unser liberaler Arbeitsmarkt hat uns Wohlstand, tiefe Arbeitslosigkeit und praktisch Vollbeschäftigung gebracht. Diesen Erfolg dürfen wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. 
 
Warum ausgerechnet die Gewerkschaften, die mit ihrer Arbeit in den letzten 150 Jahren mitverantwortlich sind für unsere sozialen Errungenschaften, mit Ihrem Angriff die bewährte Sozialpartnerschaft in Gefahr bringen, ist unbegreiflich. 
 
Unser Werkplatz braucht keine neuen Vorschriften, sondern schlanke Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie. Dies schafft moderne und zukunftsfähige Arbeitsplätze. 
 
Darum am 30. November: Nein zum kantonalen Mindestlohn. 
 
Flavio Bortoluzzi, Muntelier  
Grossrat und Fraktionspräsident SVP/UDC