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Murtens Schicksalsstunden- Zwischen Freiheit und Karl dem Kühnen

Im Kellertheater Murten laufen die Vorbereitungen für das Freilichttheater «Im Auge des Sturms» auf Hochtouren: Am Wochenende vom 18./19.4.26 übte das 52-köpfige Ensemble erstmals auf der Originalbühne am Pfisternplatz. Das historische Stück zum 550. Jubiläum der Schlacht bei Murten rückt jedoch nicht das Kampfgeschehen, sondern das Leben hinter den Stadtmauern in den Fokus. Gezeigt wird die beklemmende Ungewissheit der Bewohner, die zwischen der Angst um ihr Überleben und der drohenden Herrschaft Karls des Kühnen um ihr Schicksal bangten.

von Marianne Oppliger
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Im Kellertheater Murten laufen die Vorbereitungen für das Freilichttheater «Im Auge des Sturms» auf Hochtouren: Am Wochenende vom 18./19.4.26 übte das 52-köpfige Ensemble erstmals auf der Originalbühne am Pfisternplatz. Das historische Stück zum 550. Jubiläum der Schlacht bei Murten rückt jedoch nicht das Kampfgeschehen, sondern das Leben hinter den Stadtmauern in den Fokus. Gezeigt wird die beklemmende Ungewissheit der Bewohner, die zwischen der Angst um ihr Überleben und der drohenden Herrschaft Karls des Kühnen um ihr Schicksal bangten.

Das Grossprojekt „Im Auge des Sturms“ fordert das Ensemble auch logistisch heraus. Die Proben auf dem engen Pfisternplatz sind aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse eine echte Präzisionsarbeit: Jeder Standortwechsel und jede Bewegung der vielen Mitwirkenden muss exakt choreografiert sein. Hinter den Kulissen war zudem ein enormer Aufwand nötig, um Sicherheitsdienste, Behörden und Anwohner für die Bühne und Tribüne im historischen Stadtkern zu koordinieren.

Zeitreise auf dem Pfisternplatz: Geschichte hautnah erleben

Da das städtische Vereinshaus als Garderobe nicht ausreicht, wird kurzerhand das Quartier rund um das Spichergässli mit einbezogen. In den umliegenden Räumen werden Materialdepots, Maskenbildnerei und Aufenthaltsräume eingerichtet, während zusätzlich die Stadtbibliothek den Darstellern bei ungünstigem Wetter Unterschlupf bietet.

Für die nötige Authentizität sorgen die Mitwirkenden teils selbst: In Workshops lernen sie, wie man sich „schmutzig“ schminkt, um das entbehrungsreiche Leben der damaligen Bevölkerung glaubhaft auf die Bühne zu bringen. Passend dazu werden die Kostüme schlicht, stilgetreu und eigens für das Stück neu genäht.

Auch optisch ist die Verwandlung bereits in vollem Gange: Während die Männer für ihre Rollen schon jetzt stolze Bärte tragen, verzichten die weiblichen Darstellerinnen auf Haarfärbemittel sowie Maniküre an Fingern und Zehennägeln. So wird sichergestellt, dass das Geschehen am Originalschauplatz so authentisch wie möglich wirkt.

Die Akustik auf dem weitläufigen Schauplatz ist eine echte Knacknuss: Während die Hauptrollen dank Headsets mühelos den Ton angeben, müssen die restlichen Akteure stimmliche Höchstleistungen vollbringen – eine Mammutaufgabe für jeden Laien. Doch das Setting entschädigt für die Mühen: Der erfahrene Bühnenmagier und Architekt, Andreas Stettler aus Thun, bekannt für seine Visionen auf dem Gurten und in Rüeggisberg («Der Name der Rose»), wird den Pfisterplatz in eine Zeitkapsel verwandeln. Wenn das Spiel beginnt, wird sogar der nackte Boden Teil einer mittelalterlichen Illusion.

Die Frau für alle Fälle: Regieassistentin Martina Loesch

Martina Loesch übernimmt die Regieassistenz und unterstützt Regisseur Oliver Stein. An ihrem Arbeitsplatz am Regiepult behält sie das gesamte Spielgeschehen im Blick. Sie ist dafür verantwortlich, Änderungen laufend zu erfassen und zu dokumentieren, damit das Ensemble stets mit der aktuellsten Version arbeiten kann.

Darüber hinaus steht sie den Schauspielern bei Texthängern oder Unsicherheiten zur Seite und bewahrt dabei stets die Ruhe. Martinas Motivation ist ansteckend, und sie ist sich mit allen Beteiligten einig: „Es macht einfach nur Spass und wir sind eine grosse Familie geworden!“

Logistische und zeitliche Herausforderungen

In seiner aktuellen Freilichtinszenierung wählt Regisseur Oliver Stein für das Stück von Thomas Vaucher einen ungewöhnlichen Weg: Anstatt die Schlacht als grosses Spektakel zu zeigen, lässt er das kriegerische Geschehen allein in den Erzählungen der Figuren lebendig werden. So rückt das Innenleben der Stadtbewohner ganz ins Zentrum der Aufmerksamkeit.

Besonders hebt der Regisseur dabei die aussergewöhnliche Spielfreude und Motivation seines Ensembles hervor, das sich vorwiegend aus engagierten Amateurdarstellern zusammensetzt.

Dabei gilt es für Stein, beachtliche Herausforderungen zu meistern. Er muss eine grosse Spielertruppe auf engstem Raum präzise koordinieren und zugleich den zeitlichen Rahmen wahren. Da die Aufführung aufgrund einer strikten Sperrstunde bereits um 22:00 Uhr enden muss, wurde der Stoff mehrfach gestrafft, ohne dabei an emotionaler Tiefe zu verlieren.

Bühnen-Athleten: Fokus auf die Verschmelzung von Schauspiel und sportlichen Leistungen

Einer der Bühnenathleten mit stummer Rolle ist Benjamin Zuron, der bereits Erfahrungen aus dem Freilichtspiel «Im Namen der Rose» mitbringt. Er und seine Kollegen stehen vor einer beachtlichen physischen Herausforderung: Die imposanten Ringmauern sind höher als erwartet, und die Wege zwischen den verschiedenen Spielplätzen sind weit. Das mehrmalige Auf und Ab über die vielen Treppen verlangt den Darstellern sportliche Höchstleistungen ab.

Zusätzlich sorgt die räumliche Nähe zum Publikum für eine besondere Intensität, da die Tribüne direkt an die Bühne grenzt. Dies erfordert eine gute Koordination, damit die Spieler auf dem engen Raum reibungslos aneinander vorbeikommen. Auch Benjamin Zuron betont: «Diese Herausforderung macht nicht nur grossen Spass, sondern hat das Team durch die intensiven Proben zu einer festen Gemeinschaft zusammengeschmiedet.»

Proben-Update

Die intensiven Vorbereitungen für das Freilichtspiel vom Kellertheater Murten gehen in die nächste Runde. Während die Probenarbeit aktuell noch konzentriert in der besonderen Atmosphäre der alten Saia-Halle am Bahnhof stattfindet, steht schon bald ein weiteres Probe- Highlight bevor:

Am Sonntag, 10. Mai 2026, verlagert sich das Geschehen von 10:00 bis 18:00 Uhr ein weiteres Mal nach draussen auf den Pfisternplatz. Dies bietet die perfekte Gelegenheit für alle Interessierten, einmal ganz zwanglos vorbeizuschauen. Es lassen sich spannende Einblicke gewinnen, wie aus einzelnen Szenen ein grosses Ganzes wird – ein Besuch dieser öffentlichen Probe lohnt sich in jedem Fall!

Mehr Informationen zum Freilichtspiel: www.murten1476.ch/theater