Ein Lindenzweig für die Ewigkeit – Murten pflanzt Geschichte
Stellen Sie sich vor, Sie rennen kilometerweit, den Sieg einer ganzen Nation im Gepäck, und alles, was Sie in der Hand halten, ist ein kleiner Lindenzweig. Klingt nach einer sportlichen Höchstleistung? In Murten ist das der Stoff, aus dem Legenden sind!
Stellen Sie sich vor, Sie rennen kilometerweit, den Sieg einer ganzen Nation im Gepäck, und alles, was Sie in der Hand halten, ist ein kleiner Lindenzweig. Klingt nach einer sportlichen Höchstleistung? In Murten ist das der Stoff, aus dem Legenden sind!
Vor 550 Jahren, genau am 22. Juni 1476, jagten die Eidgenossen Karl den Kühnen in die Flucht. Ein mutiger Bote soll damals mit einem Lindenzweig von Murten nach Freiburg gerannt sein, um die frohe Botschaft zu verkünden. Die Legende besagt: Als er völlig erschöpft ankam, schlug der Zweig Wurzeln – und die berühmte Murtenlinde war geboren.
Geschichte zum Anfassen (und Draufsitzen)
Anstatt nur in staubigen Geschichtsbüchern zu blättern, lässt die Gemeinde Murten diese Tradition zum grossen Jubiläum „Grandson-Murten 1476“ nun wieder aufleben. Aber keine Sorge: Niemand musste für die Einweihung einen Marathon laufen! In den fusionierten Ortsteilen von Murten wurde am vergangenen Freitag gefeiert. Jedes Dorf erhielt sein eigenes lebendiges Denkmal: eine frische Linde und eine gemütliche Sitzbank.
Mehr als nur Holz und Blätter
Diese neuen Linden sind nicht einfach nur Bäume. Sie sind Symbole für Erinnerung und Begegnung. Während die jungen Wurzeln im Boden Halt suchen, sollen die Bänke zum Treffpunkt für Jung und Alt werden. Ob für den neusten Dorfklatsch oder das Gedenken an die alten Zeiten – hier wächst die Gemeinschaft buchstäblich zusammen. Es braucht also keinen Botenlauf mehr, um die Bedeutung der Schlacht bei Murten zu verstehen. Ein kurzer Spaziergang zur nächsten Dorflinde reicht völlig aus, um ein Stück Schweizer Geschichte einzuatmen.
Wie Gemeinderat Carlo Colopi bei der feierlichen Einweihung in Galmiz betonte, startet das Jubiläumsjahr 2026 ganz bewusst leise. In allen fusionierten Ortsteilen wurden gleichzeitig Linden gepflanzt. Das ist kein Zufall, sondern ein starkes Symbol: Murten und seine Dörfer sind zusammengewachsen und als Gemeinschaft stärker geworden. Dabei ist die Linde weit mehr als nur ein hübscher Schattenspender. Früher wurde unter ihr Recht gesprochen, heute steht sie für Frieden, Harmonie und Geborgenheit.
Ruhepol auf dem Friedhof
Besonders stimmungsvoll ist der neue Standort in Galmiz: Direkt auf dem Friedhof bietet die junge Linde einen Ort der Ruhe und des Schutzes. Sie schlägt die Brücke zwischen der Vergangenheit (den Vorfahren und der Geschichte von 1476) und der Zukunft unserer Region. Schon 1976, zum 500-jährigen Jubiläum, wurden Ableger der berühmten „Murtenlinde“ gepflanzt. Die neuen Bäume führen diese Tradition nun fort. Wie sagte Colopi so treffend?
Ob Legende oder Wahrheit – die Linde zeigt, wie eng Erinnerung und Gemeinschaft miteinander verbunden sind.
Wer also das nächste Mal an einer der neuen Linden vorbeikommt, sollte kurz innehalten, ein bisschen Geschichte atmen, die Ruhe geniessen und sich freuen, dass wir heute – 550 Jahre später – friedlich unter ihren Zweigen zusammensitzen können.
Mit der feierlichen Einweihung der neuen Bank hat die Gemeinde einen Rückzugsort gewonnen, der weit über eine schlichte Sitzgelegenheit hinausgeht. In einem feierlichen Akt übergab Carlo Colopi die Bank offiziell an die Gemeinschaft. Der gewählte Ort soll künftig ein Ankerpunkt sein: eine Einladung, im Trubel des Alltags kurz innezuhalten, sich dankbar zu erinnern und gleichzeitig mit Zuversicht nach vorne zu blicken.
Nach den bewegenden Worten zur Übergabe fand die Einweihung bei einem gemeinsamen Apéro ihren Ausklang.