Gipfelgespräche – Wo der Fels die Leinwand küsst
Für den Kunstmaler Alois Lichtsteiner aus Murten ist die Leinwand ein Ort der intensiven Auseinandersetzung mit der Natur. Bekanntheit erlangte er insbesondere durch seine eindrucksvollen Bergbilder, die weit mehr sind als reine Landschaftsdarstellungen.
Für den Kunstmaler Alois Lichtsteiner aus Murten ist die Leinwand ein Ort der intensiven Auseinandersetzung mit der Natur. Bekanntheit erlangte er insbesondere durch seine eindrucksvollen Bergbilder, die weit mehr sind als reine Landschaftsdarstellungen.
Die Wurzeln seiner Kunst liegen in der physischen Erfahrung der Bergwelt: Seine Inspiration schöpft Lichtsteiner direkt beim alpinen Tourenwandern. Diese unmittelbare Nähe zu den Gipfeln und Tälern prägt seinen Blick und fließt in seine Werke ein.
Dabei handelt es sich nicht um eine flüchtige Faszination. Die Phase der tiefen künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Berg begleitet ihn bereits seit vielen Jahren und bildet einen beständigen Kern seines beeindruckenden Werkes. In der Zeit vor der Auseinandersetzung mit dem Berg durchlebte Lichtsteiner viele unterschiedliche Phasen künstlerischer Auseinandersetzungen wie «Der Inhalt der Gefässe» oder «Tod aufgefunden.»
Vom Suchenden zum Schöpfer
Fernab der Kunstszene im Luzerner Hinterland geboren, glich Alois Lichtsteiners früher Weg einer rastlosen Suche. Weder das Lehramtsstudium noch die Universität oder handwerkliche Berufe konnten ihn erfüllen. Erst eine schicksalhafte Begegnung mit 23 Jahren änderte alles: Ein Gespräch mit einem Künstler öffnete ihm die Augen für eine Welt, die er bis dahin nicht einmal kannte. Gegen alle Konventionen seiner Zeit entschied er sich für die Kunsthochschule Zürich und fand dort schließlich seine wahre Bestimmung – das künstlerische Schaffen.
Für Alois Lichtsteiner ist Kunst ein Handwerk der totalen Hingabe, bei dem das körperliche Arbeiten mit tiefen Reflexionen verschmilzt. Es ist ein radikaler Prozess des permanenten Hinterfragens, der ihn bis heute elektrisiert. Angetrieben von der Überzeugung, dass er stets Neues erreichen kann, bleibt er ein Suchender, der sich niemals mit dem Erreichten zufriedengibt. Es ist eine Suche ohne anzukommen. Kunst ist kein Schicksal, sondern eine Entscheidung
«Vergesst die romantische Vorstellung von der "göttlichen Berufung", sagt Alois Lichtsteiner. Für ihn ist Kunst vor allem eines: eine bewusste Entscheidung, die man jeden Tag aufs Neue trifft. Wer diesen Weg wählt, muss bereit sein, diesen zu gehen, egal ob der Erfolg gerade anklopft oder auf sich warten lässt. Lichtsteiner weiss wovon er spricht: Erfolg ist seiner Meinung nach nämlich genauso anstrengend wie das Ausbleiben desselben.
Die Unsicherheit ist ein ständiger Begleiter. Um den eingeschlagenen Weg zu gehen, war sich Lichtsteiner für nichts zu schade: Von der Lehrtätigkeit an der Kunsthochschule bis hin zu bodenständigen Nebenjobs war alles dabei. Doch am Ende zählt für ihn nur eines: Die Freiheit und das tiefe Glück, sich voll und ganz seiner eigenen Arbeit widmen zu können.
Alois Lichtsteiner ist in Ohmstal aufgewachsen, seine Bilder sind mit Ohmstal signiert.
Das Wesen der Fläche: Lichtsteiners Dialog mit der Haut
In der Stille seines Ateliers in Murten, einem Ort von fast sakraler Aura, vollzieht sich täglich ein ritueller Schöpfungsprozess. Für Lichtsteiner ist die Arbeit nicht allein der Akt des Malens; sie beginnt vielmehr in der achtsamen Vorbereitung des Bildkörpers. Wenn er acht bis zwölf Stunden in diesem Raum verweilt, ist es oft ein stilles Zwiegespräch mit der Materie, selbst wenn der Pinsel ruht.
Das Bild ist für ihn kein blosses Objekt, sondern ein lebendiges Wesen. Dieser Körper erhält eine Haut – jene vom Künstler selbst vorbereitete Leinwand, die er in geduldiger Wiederholung mit weisser Farbe grundiert. In diesem Prozess des Grundierens, des Berührens und Streichelns der Fläche, findet eine erste, intime Auseinandersetzung statt. Es ist ein Akt der Sensibilisierung: So wie der Mensch ohne Berührung verkümmert, so braucht auch das Bild diese physische Zuwendung, um zum Leben zu erwachen.
Besonders in den Bergbildern manifestiert sich diese Philosophie. Der Schnee ist hier nicht bloss kalte Materie, sondern die hochsensitive Haut des Berges, die ihn schützend umgibt und ihm seine Ausstrahlung verleiht. In dieser Tiefe der weißen Fläche entsteht eine Resonanz: Das Bild beginnt, den Betrachter anzuschauen, so wie es selbst angeschaut wird. Es ist eine lautlose Kommunikation zwischen dem herausragenden Berg und dem menschlichen Gegenüber – vermittelt durch die Transparenz und Seele der Farbe.
Das Lebenswerk von Lichtsteiner
Alois Lichtsteiner erkundet in seinem Werk die Grenze zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Anhand von Serien wie seinen bekannten Birken- und Bergbildern untersucht er nicht die Abbildung der Natur, sondern die Malerei als reine Fläche und Farbkörper. Sein Schaffen zeichnet sich durch einen gestischen Farbauftrag und den Verzicht auf klassische Perspektive aus, wobei Licht oft direkt aus der Struktur der Farbe zu kommen scheint. Lange Zeit auf Schwarz-Weiss reduziert, thematisiert seine Kunst – die auch Druckgrafik und Skulptur umfasst – primär das Verhältnis von Licht, Raum und Wahrnehmung.
Lichtsteiners emotionaler Bezug zu seinem Werk
Anstatt einer klassischen „Beziehung“ zu seinen Werken beschreibt Lichtsteiner eine spezifische Form der autobiografischen Bezugnahme. Jedes Bild und jede Skizze fungiert für ihn als ein emotionaler Anker: Beim erneuten Betrachten wird unmittelbar die Erinnerung an den Entstehungsmoment sowie das damit verbundene Lebensgefühl reaktiviert – eine Erfahrung, die selbst nach Jahren noch unmittelbar abrufbar bleibt.
Der Durchbruch und die Verpflichtung des Erfolgs
Es war der Moment, in dem die Vision zur Realität wurde: 1991 markierte die Ausstellung in der renommierten Kunsthalle Bern den internationalen Durchbruch. Plötzlich stand Lichtsteiners Kunst im Rampenlicht der Öffentlichkeit; sogar die New York Times widmete seinen Werken Aufmerksamkeit und fundierte Besprechungen.
Doch mit der grossen Anerkennung wuchsen auch die Schattenseiten des Erfolgs. Je höher das Niveau, desto präsenter wurde die leise Angst vor dem Fall. Der Druck, die immensen Erwartungen immer wieder aufs Neue zu erfüllen, wurde zu einer stetigen Triebkraft. Während eine junge, zeitgenössische Künstlergeneration nachrückt und man selbst reift, gewinnen auch die eigenen Werke buchstäblich an Grösse und Präsenz.
Diese Strahlkraft blieb nicht unbeantwortet. Es folgten bedeutende Anfragen, wie die des Museums Franz Gertsch in Burgdorf. Ein besonderer Meilenstein steht nun bevor: Eine Ausstellung im Kirchner Museum in Davos – ein Projekt, das für Lichtsteiner eine tiefe persönliche Bedeutung hat.
Möchten Sie noch tiefer in die faszinierende Bildsprache des Künstlers eintauchen? Umfassende Einblicke in sein Werk, aktuelle Projekte und seinen künstlerischen Werdegang finden Sie online auf seiner offiziellen Präsenz: http://www.aloislichtsteiner.com