Vom Reissbrett zur Leinwand: Die späte Passion des Rudolf Theiler
Einst jonglierte er mit Bauplänen und trug die Verantwortung für ein Team von 33 Angestellten. Doch als das geschäftige Treiben der Architekturwelt hinter Rudolf Theiler lag, öffnete sich ein neues Kapitel: die Welt der Kunst. Was früher an Zeit fehlte, wurde durch den Ruhestand zur grenzenlosen Freiheit, die er heute Punkt für Punkt und Strich für Strich auf das Papier bringt.
Einst jonglierte er mit Bauplänen und trug die Verantwortung für ein Team von 33 Angestellten. Doch als das geschäftige Treiben der Architekturwelt hinter Rudolf Theiler lag, öffnete sich ein neues Kapitel: die Welt der Kunst. Was früher an Zeit fehlte, wurde durch den Ruhestand zur grenzenlosen Freiheit, die er heute Punkt für Punkt und Strich für Strich auf das Papier bringt.
Seit nunmehr 15 Jahren verschreibt sich Theiler einer ganz besonderen Form der Reduktion: dem Malen mit Aquarellfarbe in Schwarz auf Weiss. Ohne die Ablenkung durch bunte Farben konzentriert er sich auf Kontraste, Formen und die Seele seiner Motive.
Sein Herz schlägt dabei besonders für ein Sujet, das ihn über viele Jahre begleitete: die Kuh. Die Inspiration hierfür fand er auf dem Bio-Bauernhof seines Sohnes. Für Theiler sind es vor allem die „richtigen Kühe“ von damals, die ihn faszinieren – imposante Tiere, die noch stolz ihre Hörner trugen und für ihn die ursprüngliche Kraft der Natur verkörpern.
Heute nutzt der ehemalige Architekt seine freie Zeit, um diese Eindrücke künstlerisch zu verewigen. Wo früher Termindruck herrschte, regiert heute die Muse.
Die Kunst der Präzision: Rudolf Theiler und seine „Klecker Art“
Was auf den ersten Blick wie ein spielerischer Name klingt, ist in Wahrheit das Ergebnis jahrelanger Verfeinerung und technischer Meisterschaft. Rudolf Theiler hat eine Methode entwickelt, die er selbst „Klecker Art“ getauft hat, eine Technik, die so individuell ist, dass sie heute als sein künstlerisches Markenzeichen gilt.
Der Entstehungsprozess eines jeden Werkes beginnt mit akribischer Vorarbeit. Als Basis dienen Theiler Fotografien oder Fachbücher, deren Motive er zunächst hauchzart mit Bleistift auf hochwertiges Aquarellpapier überträgt. In einem nächsten, entscheidenden Schritt werden die Umrisse mit Tusche exakt nachgezeichnet. Es ist dieser Moment, in dem die ursprüngliche Skizze ihre erste, unverkennbare Kontur erhält.
Die wahre Herausforderung der „Klecker Art“ liegt jedoch in der Gestaltung der Innenflächen. Hier nutzt Theiler schwarze Aquarellfarbe, um Tiefe und Charakter zu erzeugen. Was einfach klingt, entpuppt sich als artistischer Balanceakt auf dem Papier: Nutzt man zu viel Wasser, verliert das Schwarz an Kraft und wirkt blass. Ist die Farbe hingegen zu konzentriert, wirkt sie klumpig und störend auf der Fläche.
Es ist dieses präzise Wissen um das richtige Mischverhältnis, das Theilers Arbeiten ihre einzigartige, homogene Ästhetik verleiht. Diese Form der Umsetzung ist einmalig und macht jedes seiner Bilder zu einem echten Unikat der zeitgenössischen Aquarellkunst.
Früher verbrachte Rudolf Theiler täglich mehrere Stunden vor der Leinwand. Heute hat er sein Tempo gefunden und widmet sich etwa drei- bis viermal pro Woche seiner Kunst. Wenn er in seinem Atelier tief in die Arbeit versunken ist, geschieht etwas Besonderes: Die Aussenwelt tritt in den Hintergrund. Für Theiler ist das Malen ein „gefühlter Befreiungsschlag“, ein Moment der absoluten Erfüllung und Freiheit.
Dass seine Werke den Weg in die Öffentlichkeit finden, ist mittlerweile eine feste Tradition. Aktuell stellt Theiler bereits zum 16. Mal aus, dieses Mal in der Residenz Senevita in Murten.
José dos Santos, Beatrice Imoberdorf, Rudolf Theiler
Möglich wird dies durch das langjährige Engagement von Beatrice Imoberdorf, die regelmässig Kunstausstellungen an diesen besonderen Ort holt. Ihr Ziel ist es, frische Impulse und Leben von aussen in die Wohnsiedlung zu bringen. Unterstützt wird diese kulturelle Initiative tatkräftig vom Geschäftsführer José dos Santos, der es sich nicht nehmen lässt, bei den Vernissagen jeweils höchstpersönlich eine Begrüssungsrede zu halten.
Die Ausstellung kann bis am 29. Mai 2026 täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr besucht werden. Mehr Informationen finden Sie auf www.rudolftheiler.ch