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Erzählen – Lauschen – Gehört werden

Im Erzählcafé herrscht eine besondere Art des Austauschs: Es geht nicht darum, über ein Thema zu debattieren oder schnell Positionen abzuhacken. Nein, hier erzählt jeder von sich – von eigenen Erlebnissen, Eindrücken und kleinen Wundern des Alltags.

von Marianne Oppliger
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Im Erzählcafé herrscht eine besondere Art des Austauschs: Es geht nicht darum, über ein Thema zu debattieren oder schnell Positionen abzuhacken. Nein, hier erzählt jeder von sich – von eigenen Erlebnissen, Eindrücken und kleinen Wundern des Alltags.

  
Die anderen hören einfach zu: kein Gegenreden, kein Werten, kein Urteil. Es geht ums Zuhören, ums Eintauchen in Geschichten, ums Lauschen der persönlichen Stimme. Und während die Erzählungen fliessen, entfaltet sich eine ruhige, fast intime Gesprächskultur, bei der jeder sich gehört und sich gesehen fühlt. So entsteht ein Rhythmus, der eher einem sanften Fluss gleicht als einem hitzigen Schlagabtausch – Unterhaltung mit Herz und Haltung, die Spass macht und verbindet. 
 
Das Konzept «Erzählcafé» wurde vor einigen Jahren schweizweit mit Unterstützung durch den «Migros-Kulturprozent» lanciert und ist ein Anlass für Begegnung mit anderen.  

Wie das Erzählcafé funktioniert

Zu Beginn begegnen sich die Teilnehmenden bei Kaffee und Kuchen. Der Austausch ist ungezwungen oder es entstehen bereits vertiefte Gespräche, einfach so, wie es sich ergibt.  
 
Nach einer kurzen Einführung in das Thema und ein paar Regeln ist die Runde offen für Erzählungen der Teilnehmenden. Jede/r wählt selbst, ob und was sie/er zum Thema aus dem eigenen Leben erzählen möchte. Die Moderatorin führt 2-3 Erzählrunden durch die Stunde, gewährleistet, dass allen Teilnehmenden Erzählzeit zusteht, spannt den Bogen über die Beiträge und findet schliesslich ein Ende der Erzählstunde. Bei Kaffee und Kuchen können die Teilnehmenden untereinander das Gespräch suchen. Im Erzählcafé Gehörtes verlässt den Raum nicht. 

Wer steht hinter dem Erzählcafé in Murten?

Juliette Erlandsen lebt seit 50 Jahren in Murten. Das «Wäbhüsli» in der Deutschen Kirchgasse war lange ein Blickfang und ein fester Bestandteil der Gasse. Ihre künstlerische Ader, gepaart mit Juliette Erlandsens Fertigkeit am Webstuhl, hat viele wunderbare Werke entstehen lassen. Heute steht der Webstuhl in ihrer Wohnung und kommt nur noch gelegentlich zum Einsatz. 
 
Juliette Erlandsen hat jedoch noch viele andere Fähigkeiten auf Lager: «Ich bin jemand mit immer wieder neuen Ideen. Nachdem ich nach 15 Jahren die Hilfsdienstkoordination im Seebezirk (www.vhd-hilfsdienste.ch) abgegeben hatte im vergangenen Jahr, bietet sich natürlich jetzt wieder mehr Zeit und Raum für neue Projekte. Menschen zusammenbringen, mit ihnen gemeinsam etwas auf die Beine stellen und organisieren, das liegt mir. Während 17 Jahren durfte ich in einer Kirchgemeinde Projekte initiieren und mit Freiwilligen realisieren. Leute zu finden, die am Gleichen interessiert sind, sie dazu einladen, etwas umzusetzen, ist etwas, das ich sehr gerne mache. Diese Arbeit hält mich lebendig und gefällt mir einfach. Es entstehen neue Kontakte und es passieren überraschende Dinge.» 
 
Das Erzählcafé findet seit 2021 statt, die Themen werden alljährlich von den TeilnehmerInnen gemeinsam gewählt. Eine Auswahl bisheriger Themen waren zum Beispiel «Mein Name und ich», «Freundschaften -Geschenke des Lebens», «Leben in einem anderen Land». 

Der Flyer für das nächste Erzählcafé zum Thema «Meine liebste Beschäftigung» liegt in der Stadtbibliothek auf. Eine Anmeldung ist erforderlich, da die Teilnehmerzahl auf 10 Personen beschränkt ist. 
 
Freuen Sie sich auf ein neues Erlebnis: ihre eigene Stimme kommt zu Wort, mit aufmerksamen Zuhörerinnen und Zuhörern - und ohne direkte Reaktion auf das Gesagte.