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„Inspiration liegt überall im Leben!“ – Murtner Rapper Cinnay im grossen Interview

Cinnay alias Yannick Oppliger ist ein junger Rapper aus Murten, der mit Leidenschaft Musik macht. Er nutzte die letzten zwei Jahre, um sich in der Szene einen Namen zu machen, ein Album und mehrere Singles rauszubringen und am Stars of Sounds, Wake and Jam und in verschiedensten Clubs in der Region aufzutreten. Wir haben ihn zum Interview getroffen und versucht, einen Blick hinter die Fassade des Künstlers zu werfen.

von Joel Rathgeb
am
Cinnay steht mit Leidenschaft auf der Bühne und gibt bei seinen Auftritten stets 110% (Foto: @danaktiv).

Cinnay alias Yannick Oppliger ist ein junger Rapper aus Murten, der mit Leidenschaft Musik macht. Er nutzte die letzten zwei Jahre, um sich in der Szene einen Namen zu machen, ein Album und mehrere Singles rauszubringen und am Stars of Sounds, Wake and Jam und in verschiedensten Clubs in der Region aufzutreten. Wir haben ihn zum Interview getroffen und versucht, einen Blick hinter die Fassade des Künstlers zu werfen.

Viele Leute hören gerne Hip-Hop, doch nur wenige versuchen sich selbst als Rapper. Wie kamst du dazu, selbst anzufangen zu rappen?

Ich bin ein Mensch, der sich stark von anderen Leuten pushen lässt, motivieren lässt. Dies ist auch der Grund, wieso ich angefangen habe, zu rappen. Als ein Kumpel von mir mit einem Songtext angelaufen kam, dachte ich mir: „Wenn du das kannst, kann ich das auch.“ So fing ich an, Texte zu schreiben und hörte bis heute nicht auf damit. Musik zu machen war schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich spiele ausserdem schon lange Gitarre und habe früher oft die Texte meiner Lieblingssongs mitgerappt. Texte zu schreiben kam für mich jedoch lange nicht infrage. Erst der Songtext meines Freundes brachte mich dazu, selbst anzufangen.
Sehr wichtig für meine Entwicklung war mein Producer und DJ 88eastBoae alias Nicolas Ostwald. Er wohnt ebenfalls in Murten, das alles hat mit ihm zusammen angefangen. Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Ich hätte mir wahrscheinlich Beats aus dem Internet geholt und auch nie selbst gelernt, zu produzieren. Ich habe wahnsinnig viel von ihm gelernt.

Jung ÄM, 88eastBoae und Cinnay (v.l.n.r.) bringen diverse Musikprojekte zusammen voran (Foto: @danaktiv).

Was war dein grösster Erfolgsmoment bis jetzt?

Der erste grosse Erfolg für mich war mein Auftritt im XXe (Vingtième) in Fribourg. Der Laden war voll und es war meine erste Chance, wirklich vor Leuten aufzutreten. Dort merkte ich: „Verdammt, ich gehöre auf die Bühne!“ Es hat mir extrem Spass gemacht und fühlte sich richtig an. Ich gab dabei 110% und büsste es danach mit meiner Stimme (lacht). Mein bisher grösster Erfolg war das Abschlusskonzert der Gustavakademie (unsereRegion berichtete: Zentrum Löwenberg wird zur Kulturstätte der Gustav Akademie) im Frison in Fribourg. Es waren fast tausend Leute anwesend. Das Gefühl, dort hinter der Bühne zu stehen und meine Freunde auf der Bühne beim Auftritt zu sehen und genau zu wissen: „Dort stehe ich auch in zehn Minuten“, machte mich extrem nervös, war jedoch einer der schönsten Momente bisher. Auch der Auftritt an der diesjährigen SRF Bounce Cypher war ein sehr grosser und wichtiger Moment für mich persönlich.

Was waren die grössten Schwierigkeiten? Hast du mal daran gedacht, das Rappen an den Nagel zu hängen?
 
Als Künstler wird man immer wieder mit Schwierigkeiten konfrontiert. Das gehört dazu und mit jeder Schwierigkeit wächst man. Kompliziert wird es dann, wenn immer mehr Leute in deiner Arbeit involviert sind. Viele Telefonate, Planung, Emails, etc. sind Teil der Musik. Wenn ich mit meinem Output viele Leute erreichen möchte, gehört viel mehr dazu, als nur im Studio zu produzieren. Das Rappen an den Nagel zu hängen kommt für mich nicht in Frage. Ich habe erst angefangen. Langsam nimmt unsere Vision Form an. Es geht darum, gemeinsam etwas zu schaffen und im Team Erfolge zu erzielen. Wir bauen uns ein Netzwerk auf, welches aus hungrigen Musikern, Grafikern, Künstlern, Fotografen und so weiter zusammengewürfelt wird. Man muss sich die richtigen Leute aussuchen, die mit Herzblut dabei sind und bereit sind, Risiken einzugehen.

Wenn du einem jungen Rapper einen Tipp mit auf den Weg gibst, welcher ist es?
 
Konzentrier dich aufs Konzentriert sein. Wenn du eine Vision hast, fokussier dich auf diese Vision und lass dich nicht von tausend anderen kleinen Dingen ablenken. Bleib dabei immer open minded und erweitere dein Spektrum. Man kann sich von absolut allem inspirieren lassen. Man darf nicht das Gefühl haben, Inspiration liegt nur in der Musik, die du machst. Inspiration liegt überall im Leben. Alles in meinem Leben gibt mir Inputs und Impulse für meine Texte. Ich lerne mich selbst nirgends so gut kennen wie beim Texte schreiben. Man könnte den Prozess des Schreibens beinahe als Meditation bezeichnen. Alles andere sollte stummgeschaltet sein und deine Gedanken sollten nur bei dir selbst sein.

Cinnay beim Auftritt am Stars of Sounds diesen Sommer (Foto: @danaktiv)

Wie geht es weiter, was sind deine nächsten Projekte?
 
Obwohl ich mir sehr viele Gedanken mache, wie ich mich am besten vermarkte, plane ich release-technisch sehr wenig voraus. Ich bringe meine Songs raus, wenn ich das Gefühl habe, dass jetzt der richtige Moment dafür ist. Der Song „Läbä Life“, den ich kürzlich mit Musikvideo veröffentlicht habe, war zum Beispiel eine ganz spontane Sache. Meine Mutter kam zu mir und erzählte mir, dass es in der Nähe von Biel einen Kornkreis gäbe. Ich dachte mir, dass sich eine derartige Location extrem gut für einen Videodreh eignen würde. Zufällig kannte ich von Instagram einen Videoproduzenten aus Biel, den ich jedoch noch nie persönlich getroffen habe. Ausserdem wusste ich, dass ich am nächsten Tag um 15 Uhr meine Weisheitszähne ziehen musste. Also schrieb ich ihm: „Hey, hast du Lust, morgen ein Video zu drehen? Wir haben jedoch nur am Morgen Zeit, also fangen wir doch um 7 Uhr an!“ Er war direkt dabei. Erst dann überlegte ich mir, zu welchem Song das Video überhaupt passen könnte. Eine Woche später war der Song mit dem Video online auf Youtube. So funktioniere ich, ich nutze einfach die Chancen, die sich mir öffnen.
Nun zu meinen nächsten Projekten: Ich habe zwei Songs parat, suche jedoch noch den richtigen Zeitpunkt, um diese zu veröffentlichen. Dann habe ich noch eine EP (kleines Album) mit Jung ÄM, einem Zürcher Rapper, am Start. Dafür planen wir zusammen eine Tour mit einem Booker, der uns einige Konzerte buchen kann. Meine Idee ist es, für jeden Tourstop einen Videoproduzenten dabei zu haben, der unsere Tour dokumentiert. Ich will, dass die Leute sehen, dass wir uns ein Netzwerk aufbauen. Am Ende des Tages bin ich immer noch ein Produkt, das sich auf dem grossen Markt zu beweisen versucht (schmunzelt).

Und noch zum Schluss: Welches Tier wärst du gerne, wenn du wählen könntest?
 
(lacht) Diese Frage habe ich ohne Witz schon mal gestellt bekommen in einem Interview! Damals wusste ich keine Antwort. Ich würde gerne mal die Welt aus einer anderen Perspektive betrachten, zum Beispiel aus der Vogelperspektive. Diese Aussage kann ich jeder Person mit auf den Weg geben: Betrachte die Welt oder dein Leben mal aus einer anderen Perspektive. Reflektier über dich selber, lern dich selbst kennen. Denn jeder kann immer an sich selbst arbeiten.