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«Heute ist das Hobby: hässig sein!» Talk im KiB mit Thomas Meyer und Michel Roggo

von Marianne Oppliger
am

Gastgeberin Aliki Eugenidis hat am 2. Juni zwei besondere Gäste zum Talk im KiB begrüsst: den Naturfotografen Michel Roggo und den Schriftsteller und Drehbuchautor Thomas Meyer (Bestseller und Kinohit «Wolkenbruch»). Die beiden interessanten Persönlichkeiten gaben uns Einblicke in ihr Leben und in ihr Schaffen als Künstler.

Die Talkstunde wurde mit passenden Klavierstücken («Sunshine Sonata» von Lutz Gerlach und «Questa Notte» von Ludovico Einaudi) von Mila Artemieva am Flügel untermalt. «Lassen sie sich von den Antworten der beiden Gäste überraschen und inspirieren!»

Auf die Frage, wo er die Motivation und Inspiration zum Fotografieren finde, meint Michel Roggo: Das Leben fängt dort an, wo man die Komfortzone verlässt! Es gibt für für mich keine klaren Motive, nach denen ich suche. Plötzlich ist etwas da, unerwartet. Unter Wasser ist alles reduziert, so wie in einer Glocke und dann geschieht es!
 
Thomas Meyer: Alles was wir tun und machen bringt uns einen Gewinn, auch negative Bestätigungen. Ein Gewinn kann das Zigaretten-Rauchen sein! Der Gewinn ist es, zu realisieren, dass ich durch Rauchen Selbstunsicherheit verstecke, cool wirken möchte und dann zu merken, nicht so sein zu wollen. Das ist der Gewinn!
 
Michel Roggo: Da war einmal ein Bär, 4,5m direkt vor meiner Nase, bzw. vor der Kamera, auch ein Männdli, und aus der Notsituation heraus begann ich einfach mit dem Bär zu reden, so von Mann zu Mann, ganz ruhig und kollegial, so ein richtiges Gespräch unter Männern eben. Der Bär war sehr vernünftig und ging!
 
Thomas Meyer: Mein letztes Abenteuer? Vieles ist abenteuerlich, so z.B. ein Kind zu haben und es abends zu Bett zu bringen und es nicht die gleiche Idee hat wie du. Da kann ich mich in Geduld üben und mein Ziel ist es, einfach nur meinen Sohn zu beruhigen und ihn zum Schlafen zu bringen. Relevant ist letztendlich nur, dass wir beide gesund sind.
 
Roggo: Meine letzte Fotoreise hat mich ins Wallis geführt. Ein Bartgeier kreiste dicht über mir, immer wieder und ich habe mich gefragt, was der wohl von mir will und er solle doch lieber Murmelis suchen und mich in Ruhe lassen! Russland ist für mich auch immer wieder eine Reise wert und Fondue essen auf dem Eis mit russischen Freunden ist einfach ein wunderbares Erlebnis. Dort ist es keine Frage wie gross ein TV ist, dort zählt einfach nur der Mensch, der Kontakt zum andern.
 
Meyer: Bei Krisen hat mich auch immer wieder die Arbeit gerettet und bei kreativem Leidensdruck entstehen ja die besten Werke. Meine Einfälle oder das Suchen neuer Fragen (Buch Meyers Lexikon) überfallen mich aber auch an Orten wie im Tram oder auf der Toilette und ich schreibe sie sofort auf. Heute haben viele Menschen kein Hobby mehr wie Modelleisenbahn bauen. Heute ist das grosse Hobby: hässig sein! Aus Alltagssituationen und Beobachtungen wie diesen entstehen neue Gedanken für meine Bücher.
 
Roggo: Mein Lieblingsbild ist jenes von der Antarktis, wo eigentlich nichts drauf ist – das grosse Nichts anzutreffen hat mich umgehauen…
 
Meyer: Der beste Text ist immer der letzte, das Neuste! Mein neues Buch Wolkenbruch 2 kommt im Herbst raus. Motti ist in einer Identitätskrise als nicht mehr praktizierender Jude….
Auf die Frage, welche Kraft Humor habe: Humor ist heilsam, ist oft die einzige Antwort, die bleibt.


Michel Roggo hat umwerfende Unterwasserbilder im Murtensee gemacht und zeigt diese Fotos im Museum Murten (siehe Agenda). 

Grossen Dank an Aliki Eugenidis und das KiB Murten für diesen spannenden und humorvollen Talk!