Kulturapéro im Hotel Bad Murtensee - Ein weiterer Höhepunkt in dieser Reihe
Der Vully ist zwar die kleinste der grossen Weinbauregionen der Schweiz, doch seine Einzigartigkeit ist unbestritten. Mit über 40 verschiedenen Traubensorten bietet dieses Terroir am Murtensee eine beeindruckende Vielfalt. Diese lebendige Weinkultur wurde jüngst auch beim 11. Kulturapéro im Hotel Bad Murtensee gefeiert, wo Marylène Bovard-Chervet und ihr Partner Louis Bovard (Château de Praz) spannende Einblicke in die Arbeit auf ihrem Weingut gaben.
Der Vully ist zwar die kleinste der grossen Weinbauregionen der Schweiz, doch seine Einzigartigkeit ist unbestritten. Mit über 40 verschiedenen Traubensorten bietet dieses Terroir am Murtensee eine beeindruckende Vielfalt. Diese lebendige Weinkultur wurde jüngst auch beim 11. Kulturapéro im Hotel Bad Murtensee gefeiert, wo Marylène Bovard-Chervet und ihr Partner Louis Bovard (Château de Praz) spannende Einblicke in die Arbeit auf ihrem Weingut gaben.
Die Weinbau-Tradition im Vully reicht über 2000 Jahre bis zu den Römern zurück. Eine Zäsur erlebte das Gebiet Ende des 19. Jahrhunderts, als eingeschleppte Schädlinge wie die Reblaus und Pilzkrankheiten den Weinbau vor existenzielle Herausforderungen stellten.
Zwischen 1962 und 1992 prägte eine umfassende Güterzusammenlegung das Landschaftsbild. Diese Massnahme ermöglichte den Bau maschinell gefertigter Wege, die heute sowohl die moderne Bewirtschaftung als auch den Tourismus fördern. Ein bedeutender Meilenstein war das Jahr 2012: Nach langen Verhandlungen einigten sich die Kantone Freiburg und Waadt auf ein gemeinsames Reglement. Seitdem tragen die Weine der gesamten Region die Herkunftsbezeichnung AOC Vully, was den hohen Qualitätsanspruch der Appellation unterstreicht.
Das Weinbaugebiet Vully erstreckt sich heute über insgesamt 160 Hektar, wovon 100 Hektar auf den Kanton Freiburg und 60 Hektar auf die Waadt entfallen. Charakteristisch für die Region ist die Bewirtschaftung durch 24 reine Familienbetriebe, ganz ohne Genossenschaften. Mit über 40 verschiedenen Rebsorten, die am Murtensee kultiviert werden, zeigt sich das Gebiet sowohl traditionsbewusst als auch zukunftsorientiert.
Die grösste Herausforderung für die Zukunft stellt das Klima dar. Saisonale Schwankungen wie zu trockene Sommer oder sehr feuchte Monate beeinflussen die Reben direkt durch Stress oder erhöhtes Pilzwachstum. Neben dem allgemeinen Klimawandel bereiten den Winzern zudem die Einschleppung neuer Schädlinge und Krankheiten Sorgen, da diese die Weinqualität massgeblich beeinflussen können.
Der Weinbau folgt seinem ganz eigenen Jahreszyklus und seiner eigenen Dynamik. Erst nach vier Jahren ist mit dem ersten Ertrag im Weinberg zu rechnen. Ab etwa 10 Jahren entfalten die Rebstöcke ihr volles Potential in den Trauben und somit auch in den Weinen. Beim Weingenuss stehen Freude und Tradition im Vordergrund – Werte, die auch der jüngeren Generation vermittelt werden sollen. Höchste Qualität bleibt dabei das erklärte Ziel der Winzer im Vullygebiet.
Tradition trifft Innovation: Die Weissweine des Vully
Das Weinbaugebiet Vully ist bekannt für seine Vielfalt und die Pflege besonderer Rebsorten. Zwei davon stechen besonders hervor: die geschichtsträchtige Freiburger-Traube und der zukunftsorientierte Sauvignac.
Die Freiburger-Traube: Ein historisches Erbe
Weltweit gilt der Vully als das grösste Anbaugebiet der Freiburger-Traube. Ihre Geschichte begann 1916 am Forschungsinstitut Freiburg im Breisgau. In den 1950er Jahren brachte der Winzer Louis Chervet aus Praz die Sorte in unsere Region. Obwohl sie zehn Jahre später offiziell in «Freisamer» umbenannt wurde, bewahrten die Winzer im Vully stolz ihren ursprünglichen Namen. Bis heute wird sie hier unter dem Namen „Freiburger“ gehegt und für ihre Tradition geschätzt.
Sauvignac: Robustheit und Eleganz
Als moderne Ergänzung hat der Sauvignac im Vully einen festen Platz gefunden. Diese interspezifische Kreuzung von Valentin Blattner vereint die Eleganz von Riesling und Sauvignon Blanc. Das Besondere: Der Sauvignac ist extrem widerstandsfähig gegen den Echten und Falschen Mehltau, was ihn zu einer ökologisch wertvollen Sorte macht. Seit seiner Aufnahme in die offizielle AOC-Sortenliste im Jahr 2021 ist er nun auch formal fest in der Weinbau-Tradition des Vully verankert.
Foto 1: Sauvignac, Foto 2: Traminer, Foto 3: Freiburger
Chasselas: Das Herzstück der Region
Als unangefochtene Hauptsorte prägt der Chasselas (Gutedel) seit jeher das Gesicht des Vully und der gesamten Westschweiz. Er ist ein wahrer Überlebenskünstler, der sich hervorragend an wechselnde Klimabedingungen anpasst. Auch wenn sich seine Anbaufläche von 72 % im Jahr 2000 auf 34 % im Jahr 2025 verringert hat, bleibt er das Symbol der Weinbaukultur im Vully. Mit seinem eleganten, leichten und absolut zeitgemässen Geschmack verkörpert der Chasselas pure Tradition im Glas.
Fazit: Ein Schluck Vully ist ein Schluck Lebensqualität
Ob es der traditionsreiche Chasselas, der geschichtsträchtige Freiburger oder der zukunftsweisende Sauvignac ist – die Weine des Vully erzählen die Geschichte einer Region, die stolz auf ihre Wurzeln ist und gleichzeitig mutig neue Wege geht. Die kleinste der grossen Weinbauregionen der Schweiz beweist eindrucksvoll, dass wahre Grösse nicht in der Fläche, sondern im Charakter und in der Leidenschaft der Menschen liegt, die diese Weine keltern.
Wer den Vully im Glas hat, geniesst nicht nur das einzigartige Terroir zwischen den Seen, sondern auch ein Stück Schweizer Weinkultur in ihrer elegantesten Form.