Seraina Stettler siegt beim «Wings for Life World Run» in Zug und rennt weltweit auf den sechsten Rang
Beim «Wings for Life World Run» in Zug läuft Seraina Stettler all ihren Konkurrentinnen davon und wird erst nach 49,08 Kilometern vom Catcher Car eingeholt. Damit sichert sie sich den Sieg in der Schweiz sowie den sechsten Schlussrang weltweit.
Beim «Wings for Life World Run» in Zug läuft Seraina Stettler all ihren Konkurrentinnen davon und wird erst nach 49,08 Kilometern vom Catcher Car eingeholt. Damit sichert sie sich den Sieg in der Schweiz sowie den sechsten Schlussrang weltweit.
Tausende Läuferinnen und Läufer gingen am vergangenen Sonntag beim «Wings for Life World Run» gleichzeitig weltweit an den Start – mit einem gemeinsamen Ziel: Spenden für die Rückenmarksforschung zu sammeln. Bei diesem Wohltätigkeitslauf übernimmt das sogenannte «Catcher Car» die Rolle der beweglichen Ziellinie. Es startet 30 Minuten nach den Teilnehmenden und erhöht nach und nach das Tempo. Sobald das Fahrzeug eine Person überholt, ist deren Rennen beendet. Dadurch laufen alle Teilnehmenden so lange, wie sie können – unabhängig von einer festen Distanz oder einer klassischen Ziellinie.
Unter den knapp 8000 Läuferinnen und Läufern in Zug stand auch Seraina Stettler an der Startlinie, um für diejenigen zu rennen, die es nicht können. Weltweit zählte der Laufevent insgesamt rund 350’000 Teilnehmende in über 192 Ländern. Der Startschuss fiel dabei für alle gleichzeitig – unabhängig von Zeitzone oder Tageszeit.
Die Solidarität unter den Teilnehmenden war vor Ort deutlich spürbar, trugen doch viele das offizielle Eventshirt. Die Läuferin des AC Murten erklärte nach dem Rennen, ihre Beine hätten sich von Beginn an gut angefühlt. Die von ihr angeschlagene Pace brachte sie rasch an die Spitze des Frauenfeldes. Dennoch zeigte sie sich überrascht, als sie plötzlich hinter einem Kamera-Motorrad lief und von einem Begleitvelo begleitet wurde. Erst langsam realisierte sie, dass sie das Rennen bei den Frauen anführte. Dies hielt sie jedoch nicht davon ab, sich immer wieder mit ihren neuen Begleitern auszutauschen.
Angetrieben von der Energie der Zuschauerinnen und Zuschauer absolvierte Stettler die ersten 35 Kilometer scheinbar mühelos. Danach wurde das Rennen zunehmend zur mentalen Herausforderung, befand sie sich doch auf einem Streckenabschnitt mit nur wenigen Zuschauenden. Deshalb habe sie sich immer wieder selbst daran erinnert, dass es sich mit einem Lächeln im Gesicht einfacher laufen lasse, so die 25-Jährige. Die Dankbarkeit für einen gesunden Körper und die Möglichkeit, überhaupt am Lauf teilnehmen zu können, hätten ihr geholfen weiterzulaufen.
Mit zunehmender Renndauer realisierte Stettler, dass der Sieg in Reichweite lag. Ab Kilometer 40 erhöhte sie deshalb nochmals das Tempo, um die Zweitplatzierte auf Distanz zu halten. Als sie schliesslich ihre bisherige Bestleistung aus dem Vorjahr von 42 Kilometern übertraf, nutzte sie diesen Meilenstein als zusätzliche Motivation. Gleichzeitig sehnte sie sich jedoch langsam nach dem Catcher Car.
Nach 3 Stunden und 24 Minuten setzte das Aufholfahrzeug Stettlers Rennen ein Ende. Die zurückgelegte Distanz von beeindruckenden 49,08 Kilometern – was einem Kilometerschnitt von 4:10 Minuten entspricht – sicherte ihr den Sieg der Frauenkategorie in der Schweiz. Im weltweiten Ranking klassierte sie sich zudem auf dem hervorragenden sechsten Schlussrang.
Der «Zieleinlauf» war emotional: Dankbar und gleichzeitig fassungslos über ihre Leistung brach Stettler in Freudentränen aus. Zeit zum Durchatmen blieb kaum, denn unmittelbar danach wurden ihr die Siegesschleife umgehängt und eine Kuhglocke überreicht. Die Medienpräsenz sowie die zahlreichen Glückwünsche halfen ihr schliesslich dabei, das surreale Erlebnis langsam zu realisieren. Stolz zeigte sie sich vor allem darüber, wozu der eigene Körper fähig sei, wenn man die Freude am Sport nie verliere und auf ihn höre.
(eingesandt)