Ausdruck jenseits der Worte: Aline Kaltenrieders künstlerische Reise
Was bedeutet es eigentlich, mit einer Behinderung zu leben? Bei der Eröffnung der beeindruckenden Ausstellung „Zwischen Sorge und Selbstständigkeit“ fand Patrick Pellegrini klare Worte für ein oft komplexes Thema. Im Französischen nutzt man das Wort „Handicap“ – ein Begriff, der ursprünglich eine Hürde oder eine gezielte Vorgabe beschreibt, um Fairness zwischen ungleichen Bedingungen zu schaffen.
Was bedeutet es eigentlich, mit einer Behinderung zu leben? Bei der Eröffnung der beeindruckenden Ausstellung „Zwischen Sorge und Selbstständigkeit“ fand Patrick Pellegrini klare Worte für ein oft komplexes Thema. Im Französischen nutzt man das Wort „Handicap“ – ein Begriff, der ursprünglich eine Hürde oder eine gezielte Vorgabe beschreibt, um Fairness zwischen ungleichen Bedingungen zu schaffen.
Für Aline Kaltenrieder aus Murten ist dieses „Handicap“ ein lebenslanger Begleiter. Seit ihrer Geburt lebt sie mit dieser Herausforderung, die ihr vor allem eines verwehrte: die Lautsprache. Doch wo Worte fehlen, hat Aline einen kraftvollen anderen Weg gefunden, sich der Welt mitzuteilen.
Informationen zur Ausstellung: Bunte Vergangenheit-zwischen Sorge und Selbstständigkeit
Das Malen als Stimme
In ihren Bildern findet Aline die Möglichkeit, sich als nicht sprechende Person auszudrücken, ihre Innenwelt sichtbar zu machen und eine Brücke zu ihren Mitmenschen zu schlagen. Organisiert wurde die besondere Werkschau von ihrer Mutter, Chris Kaltenrieder.
Die Ausstellung ist mehr als nur eine Präsentation von Kunst; sie ist eine Einladung, Aline auf ihre ganz eigene Art und Weise kennenzulernen. Es ist die Chance für eine junge Frau, sich der Öffentlichkeit zu zeigen, wahrgenommen zu werden und ihre Geschichte jenseits von Barrieren zu erzählen.
Aline mit ihren Eltern Chris und Michel Kaltenrieder
Die Vernissage in der Galerie Pellegrini war nicht nur ein Augenschmaus, sondern dank German Piller auch ein echtes Fest für die Ohren. Piller, der wie Aline in der Stiftung ssb Düdingen wirkt, entpuppte sich als wahrer Virtuose an der Handorgel. Wenn er in die Tasten greift, lässt er sein Innerstes so gekonnt nach aussen dringen, dass man fast meinen könnte, das Instrument sei direkt mit seiner Seele verkabelt.
Auch die Lokalpolitik kam zu Wort: Gemeinderat Rudolf Herren bedankte sich herzlich im Namen der Gemeinde für die gelungene Ausstellung. Sein Dank galt der Familie Kaltenrieder, die das Stedtlileben regelmässig mit Events wie dem offenen Garten, dem Lichterfest oder dem Brunnenschmücken im Rübenloch bereichert.
Dabei gab es für Ruedi Herren noch eine ganz persönliche Premiere: Er erfuhr endlich von seinem heimlichen Spitznamen. Chris Kaltenrieder verriet schmunzelnd, dass er regelmässig Grüsse über Aline ausrichtet, sobald sie den Gemeinderat sichtet. Die Botschaft ist dabei kurz, knackig und – wie man nun weiss – eine Anspielung auf seinen neuen Titel: «E Gruess vom Grosse.»
Familienzeichnung im Vergleich der beiden Schwestern, rechtes Bild von Aline.
Galerist Patrick Pellegrini, www.pelles.ch
Die Ausstellung gewährt auch ganz persönliche Einblicke in Alines Alltag und die Hürden, die sie täglich meistert. Ob es das Jonglieren mit störrischen Zahlen ist, das Zuordnen der Wochentage oder das Entziffern der Uhrzeit – was für viele selbstverständlich wirkt, ist für Aline bis heute ein echter Marathon der Konzentration und eine beachtliche Herausforderung.
Wer jetzt schon die Wand im Wohnzimmer für ein Original von Aline freigeräumt hat, muss leider stark sein: Die echten Meisterwerke sind unverkäuflich und bleiben fest in Familienhand. Aber keine Sorge, für das ‚Aline-Gefühl‘ zu Hause ist gesorgt: Es gibt hochwertige Kunstdrucke und Postkarten für die Wand (oder den Kühlschrank). Und wer seine Kunst lieber spazieren führt, greift einfach zu einer der bedruckten Taschen mit Alines Motiven.
Die Ausstellung ist noch zugänglich bis am 3. Mai 2026:
- Do-Fr 15-19 Uhr
- Sa-So 11-18 Uhr
- Finissage: 3. Mai um 17 Uhr in der Galerie Pellegrini, Deutsche Kirchgasse 31, Murten