Lebendige Labore: Wo Biodiversität begreifbar wird
Gemeinsam für die Artenvielfalt: Murten pflanzt Zukunft ‒ Drei Tage lang herrschte am Längmatt-Schulhaus reges Treiben für den guten Zweck. Wo sonst eine ungenutzte Böschung war, entstand ein neues Paradies für die kleinsten Bewohner Murtens. In einer Zeit, in der Biodiversität wichtiger ist denn je, haben drei Klassen der Primarschule Murten die Schulbank gegen Schaufeln getauscht. Das Ziel? Ein Naturschutzgebiet direkt vor der Schultür, das Insekten, Käfern, Amphibien und anderen Kleintieren ein dauerhaftes Zuhause bietet.
Gemeinsam für die Artenvielfalt: Murten pflanzt Zukunft ‒ Drei Tage lang herrschte am Längmatt-Schulhaus reges Treiben für den guten Zweck. Wo sonst eine ungenutzte Böschung war, entstand ein neues Paradies für die kleinsten Bewohner Murtens. In einer Zeit, in der Biodiversität wichtiger ist denn je, haben drei Klassen der Primarschule Murten die Schulbank gegen Schaufeln getauscht. Das Ziel? Ein Naturschutzgebiet direkt vor der Schultür, das Insekten, Käfern, Amphibien und anderen Kleintieren ein dauerhaftes Zuhause bietet.
Profis am Werk
Damit das Projekt auch fachlich Hand und Fuss hat, standen den motivierten Schülerinnen und Schülern echte Experten zur Seite. Unter der fachkundigen Anleitung des Biologen Jacques Studer und mit den tatkräftigen Profis vom Werkhof Murten, lernten die Jugendlichen, worauf es bei einem lebendigen Garten wirklich ankommt. Es wurde gegraben, gepflanzt und gestaltet – mit vollem Einsatz für die lokale Fauna. Das Ergebnis ist nicht nur ein optisches Highlight beim Längmatt Schulhaus, sondern ein wertvoller Beitrag zum Umweltschutz, den die Kinder selbst mit ihren Händen geschaffen haben.
Normalerweise widmet sich der selbstständige Biologe Jacques Studer der Biodiversität in Siedlungsräumen. Dieses Mal gab es eine Premiere: Zum ersten Mal setzte er ein Projekt direkt mit Schülerinnen und Schülern um, und die jungen Naturfreunde haben ordentlich angepackt:
«Das Arbeiten im Freien und neuen Lebensraum für Tiere zu schaffen hat mit mega Spass gemacht! Ich mache das hier zum ersten Mal und es war schön.»
«Mir hat es gefallen, etwas für die Natur zu machen.»
«Mir hat es gefallen, in der Natur und nicht in der Schule sein zu können und mit den Stöckli zu spielen!»
«Ich finde es cool, neue Lebensräume für Insekten und andere Tiere zu machen, es macht richtig Spass.»
«Mich macht es glücklich zu sehen, wie es den Tieren gefällt, was wir hier bauen. Es sind schon einige vorbeigeflogen, um den neuen Lebensraum zu erforschen.»
«Es ist toll, dass Tiere hier mehr Platz erhalten. Es hat Schatten und Sonne und ich kann jeden Tag vorbeischauen, wenn ich auf dem Schulweg bin.»
Muskelkraft für die Artenvielfalt
Unter der fachkundigen Anleitung von David Tschanz, Silvio Leuenberger und Raphael Kessler wurde geschaufelt, was das Zeug hält. Tonnenweise Steine, schwere Äste und urige Baumstrünke wurden nicht einfach nur bewegt, sondern mit System an den richtigen Stellen platziert. So entstanden natürliche Strukturen, die Schutz und Lebensraum bieten. Besonders kreativ wurde es beim Zaunbau: Aus Weidenästen wurden kunstvolle, geflochtene Zäune errichtet. Und was wäre ein echtes Tierparadies ohne Wasser? Ein frisch ausgehobenes Loch, ausgekleidet mit Teichfolie, bildet nun das Herzstück – ein kleines Biotop für Amphibien und durstige Gäste.
Das Beeindruckende an diesem Projekt: Naturschutz muss nicht teuer sein. Abgesehen von den neuen Jungsträuchern und der Plastikfolie für die Wasserstelle kostete das Material fast nichts. Hier wurde Naturmaterial sinnvoll recycelt. Dass das neue Quartier bei der lokalen Fauna gut ankommt, zeigte sich bereits während der Bauarbeiten. Die „Bauaufsicht“ übernahm die Natur höchstpersönlich: Ein Zaunkönig und ein Rotkehlchen schauten bereits neugierig vorbei, um ihren neuen Lebensraum einer ersten Inspektion zu unterziehen.
Das Projekt für einen neuen Tier-Lebensraum auf dem Gelände des Längmatt Schulhauses in Murten nahm seinen Anfang vor zwei Jahren während einer Lehrer-Weiterbildung. Nachdem die Schulleitung den Vorschlag der Lehrpersonen begeistert aufgenommen hatte, leitete Christian Mauron das Vorhaben an das Bauamt weiter. Zur fachlichen Umsetzung der Vision wurden schließlich der Freiburger Biologe Jacques Studer sowie Stephan Portmann vom Bauamt Murten hinzugezogen. Unter der fachlichen Leitung von Jacques Studer, der hierbei erstmals direkt mit Schulklassen zusammenarbeitet, entdecken die Schüler begeistert die Gartenarbeit, selbst jene ohne jegliche Vorkenntnisse. Das vor zwei Jahren initiierte Projekt verbindet so auf ideale Weise praktisches Lernen mit ökologischem Engagement.
Wie David Tschanz vom Werkhof betont, ist die aktuelle Aktion die Fortsetzung einer Erfolgsgeschichte. Bereits im letzten Jahr wurde das gesamte Areal des Sekundarschulhauses biodivers umgestaltet. Dort hängen heute nebst Holz- und Steinhaufen Nistkästen für Fledermäuse und verschiedene Vogelarten, die den neuen Wohnraum dankbar annehmen.