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Nostalgie in Murtens Gassen

von Karin Ledermann
am

Am Samstagmorgen fand in Murten nicht nur der wöchentliche Markt statt, nein, auch die Cafés waren gut besucht. Kaffeeduft und der Geruch von Sonnenmilch lagen in der Luft und die hübsch dekortierten Brunnen luden zum Fotografieren (und später zu einem Fussbad) ein. Velofahrer, Fussgänger, kinderwagenstossende Eltern und rollatorschiebende Senioren bevölkerten die Altstadt, sommerlich gewandet, ausgerüstet mit Sonnenhüten, Sonnenbrillen und fotobereiten Handys. Und zum Fotografieren und Zuhören luden natürlich die Handörgeler und die Handorgeln ein. Fast kam ich mich in eine andere Zeit versetzt vor, alles tickte etwas gemächlicher als sonst.

Der Niesen Örgeler Peter Bachmann trug Fliege, Zylinder und weisse Handschuhe, das Örgeli blitzblank und wohlklingend. 'Wenn du mal ein Örgeli brauchst, so ruf einfach an und wenn du jemand brauchst, der dir zuhört, dann ruf auch einfach an, auch das kann ich gut'. Welch nettes Angebot, aber im Moment war ich die, die zuhörte und zuschaute. Rolands Schnauzer zog sicher genauso viele Blicke auf sich wie die Örgeli, seine elegant gedrehten Schnauzspitzen bildeten einen perfekten Kreis und ich fragte mich, wie lange er morgens jeweils braucht, um den Schnauz in Form zu bringen. Bei Kaffee und Croissants schaute ich den Spielmännern zu, wie sie die Kurbeln ihrer Leierkästen drehten und ich hätte nicht zu sagen gewusst, wer sich mehr freute, die Örgeler oder das Publikum.