Go back
logo
Kultur /Kolumne
Alexander Schroeter

Winterzeit - Zeit der Feste: Magier? Sterndeuter? Könige?

Als letzter Festtag sei der Dreikönigstag, auch Epiphanie (Tag der Erscheinung), erwähnt. Er bildet den Schlusspunkt der zwölf Weihnachtstage – oder eben: der Rauhnächte. Der 6. Januar ist in der christlichen Tradition gleich ein mehrfach ‘belegter’ Tag: Neben dem Besuch der Weisen aus dem Morgenland gemäss dem 2. Kapitel des Evangeliums nach Matthäus, soll an diesem Tag auch die Taufe Jesu im Jordan stattgefunden haben (Mk 1,9-11), womit offenbart wurde, dass Jesus der Sohn Gottes sei. Ferner soll Jesus an diesem Tag sein erstes Wunder vollbracht haben, indem er an der Hochzeit von Kana Wasser zu Wein machte (Joh 2,1-11).

Betrachtet man den 6. Januar wiederum religionsgeschichtlich, so wird einmal mehr deutlich, wie die frühen Theologen es verstanden, bestehende Feste aufzugreifen und christlich umzudeuten. Der 6. Januar war in gewissen Gebieten des römischen Reiches der Festtag des Gottes Dionysos, um den es eine vielfältige Mythologie und einen verbreiteten, populären Kult gab. – Mit dem Hinweis auf Jesus’ Weinwunder konnte bewiesen werden: Der, den ihr in Dionysos verehrt, ist eigentlich Jesus, der Auferstandene.

Ein junger, ein erwachsener und ein alter König kommen zur Krippe – Originalstatuen vom Nordturm des Basler Münsters, 15. Jh. – © asr, 2018

Die drei sagenumworbenen Besucher an Jesu Krippe sollen der Legende nach später getauft worden sein. Im Jahr 326 soll dann Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, die Gebeine der Drei Könige in Palästina entdeckt und nach Rom gebracht haben. Von dort aus gelangten sie als Schenkung nach Mailand. Und fast tausend Jahre später, im 12. Jahrhundert,wurden sie wiederum als Schenkung zu ihrer letzten Ruhestätte nach Köln gebracht – mit Zwischenhalten u. a. in Zürich und Basel.

Das in manchen Regionen bekannte Stern- und Dreikönigssingen, lässt sich bis zu mittelalterlichen Spielen zurückverfolgen. Die Sternsinger, häufig als Drei Könige verkleidete Kinder, singen auf Plätzen oder gehen von Tür zu Tür. In katholischen Gebieten wird zudem das Haus für das kommende Jahr gesegnet. Mit geweihter Kreide werden die Jahreszahl und C+M+B auf die Tür geschrieben – quasi ein religiöses tag. Diese drei Buchstaben werden entweder als Abkürzung des lateinischen Segenspruchs «Christus segne dieses Haus» oder einfach als Abkürzung für die Namen der Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar verstanden, so sollen die drei gemäss einer Legende aus dem 6. Jh. geheissen haben.

Winter ade!

Der Winter ist damit noch nicht überstanden, die Festzeit noch nicht abgeschlossen. Die kommenden Feste und Bräuche weisen aber schon deutlich auf das Vertreiben des Winters, den Frühling, das Wiedererwachen der Natur und auf die Fruchtbarkeit hin. Und auch wenn bis zu den ersten Kirschblüten und Osterglocken noch einige Wochen verstreichen werden: Das Licht und die Wärme kehren spürbar zurück.

Hier gehts zur Einführung der Artikelserie: Winterzeit – Zeit der Feste: Mal gruslig, mal lichterfüllt