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Murtner Bestatter im Interview

Kevin Biehl ist Bestatter bei Hirter Bestattungsdienst in Murten. Wir kennen einander schon seit der Kindergartenzeit, Kevin war bei mir im Kindergarten. Ich stelle ihm die Fragen, die ich einem Bestatter schon immer mal stellen wollte.

von Marianne Oppliger
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Kevin Biehl ist Bestatter bei Hirter Bestattungsdienst in Murten. Wir kennen einander schon seit der Kindergartenzeit, Kevin war bei mir im Kindergarten. Ich stelle ihm die Fragen, die ich einem Bestatter schon immer mal stellen wollte.

Kevin, aus welcher Motivation heraus wird man Bestatter und welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?

Ich schätze an diesem Beruf, dass ich meine Kompetenzen voll und ganz für die Hinterbliebenen einsetzen kann, welche sich in einer aussergewöhnlichen Situation befinden. Ebenfalls schätze ich die Wertschätzung und die Dankbarkeit der Trauerfamilien und was sie mir zurückgeben. Meine Feinfühligkeit und meine ruhige Art an sich kann ich in diesem Beruf sehr gut einsetzen und den Umgang mit Menschen liebe ich sehr. Schon immer war und bin ich gerne mit Menschen jeden Alters zusammen und versuche jeweils, auf die verschiedenen Charakteren einzugehen.
Diesen Beruf kann man nicht durch eine Berufslehre im eigentlichen Sinn erlernen, man muss bei einem Bestatter arbeiten, damit man lernt, wie die Abläufe und Vorgehensweisen sind. Der Schweizerische Verband der Bestatter, SVB, stellt nach besuchten Kursen ein Zertifikat aus und man arbeitet nach den Richtlinien des Verbandes. Um den eidgenössischen Fachausweis zu erlangen, muss man einen  Beruf erlernt und abgeschlossen haben, analog z.B. bei der Polizeiausbildung.
 

Was hat Dich zu diesem Beruf hingeführt und wie gehst Du mit dieser schwierigen Aufgabe um?

Zwei gute Freunde haben mich vor ein paar Jahren auf eine freie Stelle beim Hirter Bestattungsdienst hingewiesen und fanden, dass dieser Beruf sehr gut zu mir passen könnte. Nach dem ersten sehr traurigen Ereignis, es war ein Suizidfall, konnte ich mich entscheiden, ob ich solchen Herausforderungen auch wirklich gewachsen bin. Verstorbene aus meinem nahen Kreis oder Kinder sind jedoch immer schwierig zum Verarbeiten und in diesen Momenten ist es wichtig, sich mit engen Vertrauenspersonen auszutauschen zu können.
Eine klare Abgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben ist mir sehr wichtig und das setze ich auch konsequent um, indem ich meine Arbeitskluft, schwarzer Anzug und weisses Hemd mit Krawatte anziehe oder eben ablege. So bin ich jeweils in einem bewussten Zustand und das hilft mir, mit allen Aufgaben umgehen zu können.

Es ist mir wichtig, dass mich die Menschen mit Fragen zum Bestatten direkt ansprechen. So verlieren sie vielleicht die Angst vor dem Tod.

Wie stehst Du persönlich zum Tod?

Ich habe keine Angst vor dem Tod, weil ich sicher bin, dass es in irgendeiner Form weiter geht. Seit ich Bestatter bin, lebe ich mein Leben bewusster und intensiver, geniesse meine Familie, meinen Beruf und meine Hobbys viel bewusster und dankbarer. Das Leben ist so wertvoll und die Praxis hat gezeigt, dass es keine Reihenfolge zum Sterben gibt, egal ob reich oder arm, jung oder alt.


Kevin, möchtest Du uns noch etwas ans Herz legen?

Wie schon anfangs erwähnt, ist es mir wichtig, von Menschen angesprochen zu werden, um Fragen klären zu können. Viele Menschen sprechen oft nicht in der Familie darüber, was sich z.B. ein schwerkranker Angehöriger nach seinem Ableben als Beisetzung oder Zeremonie wünscht. Das ist oft noch ein Tabuthema und wird verdrängt. Es wäre aber so viel einfacher, wenn Angehörige wissen, was sich der Verstorbene gewünscht hat. Persönliche Wünsche werden von unserer Seite immer berücksichtigt und umgesetzt, sofern dies das Gesetz zulässt. Wir sind offen für alle Wünsche und man sollte sich nicht scheuen, mit uns darüber zu sprechen.

Danke, dass ich hier die Gelegenheit habe, über meinen speziellen Beruf etwas zu erzählen und dadurch vielleicht etwas beitragen konnte, um das Eis zu brechen!