Im Dienst der Stadt: Portrait der Stadtpräsidentin bei der Arbeit
Viele Bürgerinnen und Bürger sehen sie bei offiziellen Anlässen, doch was hinter den Kulissen im Rathaus geschieht, bleibt oft verborgen. Petra Schlüchter, Stadtpräsidentin von Murten, gab kürzlich einen Einblick in ihren vielfältigen Arbeitsalltag für die Gemeinde.
Viele Bürgerinnen und Bürger sehen sie bei offiziellen Anlässen, doch was hinter den Kulissen im Rathaus geschieht, bleibt oft verborgen. Petra Schlüchter, Stadtpräsidentin von Murten, gab kürzlich einen Einblick in ihren vielfältigen Arbeitsalltag für die Gemeinde.
Die Arbeit an der Spitze der Gemeinde Murten ist weitaus komplexer, als es repräsentative Auftritte vermuten lassen. Das Amt, erfordert ein hohes Mass an Organisation und strategischem Weitblick.
Ein zentraler Teil von Schlüchters Arbeit ist die Leitung der wöchentlich tagenden Geschäftsleitung. Hier laufen alle Fäden zusammen: unter ihrer Führung werden Geschäfte des Gemeinderates vor-und nachbereitet sowie Abläufe der gesamten Verwaltung abgestimmt. Neben der administrativen Leitung bildet die Repräsentation der Gemeinde eine der zentralen Säulen ihres Amtes. Ob bei feierlichen Anlässen, im direkten Bürgerdialog oder bei den Delegiertengesprächen mit diversen Organisationen - als Stadtpräsidentin ist sie die entscheidende Ansprechpartnerin und das Gesicht unserer Gemeinde nach außen.
Petra Schlüchter bekleidet dieses Amt seit November 2020. Bereits zuvor engagierte sie sich im Gemeinderat und leitete dort das Ressort Soziales. In unserem Interview gewährt uns die Stadtpräsidentin nun persönliche Einblicke in ihren Arbeitsalltag und ihren Wirkungskreis.
Frau Schlüchter, haben Sie es jemals bereut, dieses Amt übernommen zu haben? Gab es besondere Schwierigkeiten?
Nein, bereut habe ich diesen Schritt noch nie, aber selbstverständlich gibt es immer wieder herausfordernde Situationen. Während meiner mehrjährigen Leitung des Gesundheitsnetzes – insbesondere während der Coronapandemie – war mir bewusst, dass schwierige Aufgaben auf mich zukommen würden.
Welches sind momentan die grössten Herausforderungen für Murten?
Um es vorweg klarzustellen, Murten steht im Kanton Freiburg sehr gut da. Deshalb ist es wichtig, aus welchem Gesichtspunkt man es betrachtet. Die finanzielle Thematik ist nicht nur für Murten ein Thema, die finden wir an jedem anderen Ort im Kanton auch. Die gebundenen Kosten sind in den letzten Jahren enorm gestiegen, bei einer normalen moderaten Steigerung der Steuereinnahmen. Den Ausgleich wieder etwas ins Gleichgewicht zu bringen ist sicher eine der zentralen Aufgaben.
Was macht für Sie den Reiz Ihrer Arbeit als Stadtpräsidentin aus?
Besonders schön ist die große Dankbarkeit und Zufriedenheit, die mir aus der Bevölkerung entgegengebracht wird. Selbst wenn es einmal Kritik gibt, ist diese meist konstruktiv. Die Bürgerinnen und Bürger spüren, dass wir als Verwaltung stets das Beste für unsere Stadt erreichen wollen. Zudem macht die enorme Vielfalt meiner Arbeit meine Aufgabe jeden Tag aufs Neue spannend und abwechslungsreich.
Wie gehen Sie mit Kritik und politischem Gegenwind um?
Entscheidend ist für mich zunächst die Art und Weise, wie Kritik geäußert wird. Selbst wenn sie einmal nicht konstruktiv ausfällt, versuche ich, die Perspektive meines Gegenübers einzunehmen. Wenn Unzufriedenheit herrscht, gibt es meist einen berechtigten Kern, den man ernst nehmen muss. In solchen Momenten kann ich auf mein Team zählen – etwa auf Nadine von Vivis (Stadtschreiberin), das mich unterstützt und gemeinsam mit mir nach Lösungen sucht. Auch politische Kritik, beispielsweise aus dem Generalrat, ist für mich ein wichtiger Impuls zur Selbstreflexion: Sind wir noch auf dem richtigen Weg oder haben wir uns so tief in eine Materie eingearbeitet, dass wir den Blick für das große Ganze und die Bedürfnisse der Menschen verloren haben? Manchmal ist es notwendig, einen Schritt zurückzutreten, um die Situation neu zu bewerten. Klar ist: Respektlosigkeit führt nie zum Ziel. Man muss kritikfähig bleiben und lösungsorientiert handeln. Da ein Großteil der Rückmeldungen zentral bei der Stadt eingeht, stellen wir durch die gezielte Weiterleitung an die Fachressorts sicher, dass jedes Anliegen dort bearbeitet wird, wo die Expertise liegt.
Welche Aufgaben erledigen Sie im Alleingang?
Es gibt durchaus Aufgaben, die ich alleine wahrnehme, wie etwa öffentliche Reden oder repräsentative Termine. Dennoch ist mir das Vier-Augen-Prinzip sehr wichtig: So lasse ich beispielsweise Vorbereitungen oft von Nadine von Vivis gegenprüfen. Letztlich fühle ich mich jedoch in den seltensten Fällen allein, da ich auf einen starken und unterstützenden Gemeinderat zählen kann. Bevor ich heikle Themen in der Öffentlichkeit vertrete, stimme ich mich stets eng mit dem Gremium ab. Auch der Austausch mit meinem Vize, Alexander Schroeter, ist für mich wertvoll, um wichtige Anliegen vorab zu diskutieren. Durch diesen Rückhalt fühle ich mich in meiner Rolle eigentlich nie auf mich allein gestellt.
Ist das Amt als Stadtpräsidentin ein Vollzeitjob?
Offiziell umfasst mein Pensum 60%, wobei die Arbeitsbelastung saisonal schwankt: Vor allem im Frühling und Herbst fällt deutlich mehr Arbeit an als im restlichen Jahr. Da Sitzungen über die gesamte Woche verteilt sind, gibt es in der Regel kaum feste freie Tage. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass man in dieser Rolle am besten aufgehoben ist, wenn man keiner weiteren beruflichen Tätigkeit nachgeht. Das ermöglicht die notwendige zeitliche Flexibilität, um den vielfältigen Anforderungen des Amtes gerecht werden zu können.
Wie sieht bei Ihnen ein normaler Arbeitstag als Stadtpräsidentin aus?
Der Montag ist in der Regel mein fester Präsenztag in der Verwaltung. Mein Morgen beginnt meist mit Delegationsgesprächen und der Vorbereitung der Gemeinderatssitzung, die am Nachmittag stattfindet. Während der Woche habe ich verschiedene Sitzungen, sei es in Arbeitsgruppen, Vorständen oder Verwaltungsrat von diversen Organisationen, auf die ich mich jeweils vorbereiten muss. Mittwochvormittags treffe ich mich fix mit unserer Stadtschreiberin, Nadine von Vivis. Gemeinsam besprechen wir alle aktuellen Geschäfte und bereiten die Unterlagen für die Geschäftsleitungs- sowie die Gemeinderatssitzungen vor. Am Donnerstag folgt die Geschäftsleitungssitzung, bei der ich mit allen Abteilungsleitern zusammenkomme. Zu dieser Runde gehört Stefan Portmann (Abteilung Bau), Heinz Kramer (Abteilung Finanzen), Isabelle Borer (Abteilung Gesellschaft) sowie Stadtschreiberin Nadine von Vivis. Letztlich ist die Gemeindeverwaltung nichts anderes als ein Unternehmen, das wir gemeinsam führen und verwalten.
Man wächst mit den Aufgaben.
Was möchten Sie zum Schluss noch hinzufügen?
Stadtpräsidentin ist man mit Leib und Seele – von dem Moment an, in dem man aufwacht, bis man abends einschläft. In diesem Amt steht man als Person nie im Vordergrund; es geht vielmehr darum, die Interessen der Gemeinschaft zu bündeln und das Wohl der Gemeinde über die eigenen Ambitionen zu stellen. Ich verstehe mich nicht als ‚Chef‘ von Murten. Wir leben in einer Demokratie, und meine Aufgabe ist es, als Stimme der Bürgerinnen und Bürger zu agieren sowie die Positionen des Gemeinderates und des Generalrates würdig zu vertreten. Man benötigt ein breites Interesse für die unterschiedlichsten Themen und ein hohes Maß an Flexibilität. Trotz der Komplexität kann ich aus voller Überzeugung sagen: „Es ist ein Traumjob mit einem unglaublich spannenden Spektrum.“