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Let's Talk: Jugend und Bildung von Murten im Fokus

Der «Let’s talk»-Themenabend am 22.4.2021 stand unter der Überschrift «Jugend und Bildung - Was brauchen Kinder auf dem Weg zu einer selbstbewussten und verantwortlichen Lebensgestaltung? Was bedeutet Corona für die Jugend? Wo sind aktuelle Konfliktpunkte?» Anspruchsvolle Fragen, zu denen der Veranstalter, das Wahlkomitee SP/Grüne Murten, folgende Gäste eingeladen hatte: Andrea Rüegg, Offene Kinder- und Jugendarbeit Murten, und Alexander Schroeter, Gemeinderat und Dozent an der PH Bern. Durch den Abend geführt hat Reto Burger, Mitglied des Wahlkomitees.

von Kathrin Aebi
am

Der «Let’s talk»-Themenabend am 22.4.2021 stand unter der Überschrift «Jugend und Bildung - Was brauchen Kinder auf dem Weg zu einer selbstbewussten und verantwortlichen Lebensgestaltung? Was bedeutet Corona für die Jugend? Wo sind aktuelle Konfliktpunkte?» Anspruchsvolle Fragen, zu denen der Veranstalter, das Wahlkomitee SP/Grüne Murten, folgende Gäste eingeladen hatte: Andrea Rüegg, Offene Kinder- und Jugendarbeit Murten, und Alexander Schroeter, Gemeinderat und Dozent an der PH Bern. Durch den Abend geführt hat Reto Burger, Mitglied des Wahlkomitees.

Offene Kinder- und Jugendarbeit

Die seit über einem Jahr bestehende Dauerpräsenz des Corona-Virus und seine Auswirkungen auf unser aller Leben, insbesondere auf die Jugendlichen, war ein Themenschwerpunkt der Diskussion. Andrea Rüegg, nach den Auswirkungen gefragt, die sie bei den Jugendlichen bemerkt habe, erklärte, dass den Jugendlichen der Sport, das Zusammensein und der Austausch untereinander sehr gefehlt hätten. Jung zu sein heisse doch ausprobieren, reflektieren, kennenlernen, Grenzen austesten… Das alles hätten sie nicht mehr gedurft, was ihnen schwer zugesetzt habe.
 
Zur Arbeit des Jugendhauses Roxx erläuterte Andrea Rüegg, dass sie niederschwellige Angebote machten, es keine Anmelde- bzw. Registrierpflicht für die anwesenden Kinder und Jugendlichen gebe und auch keine Mitgliedschaft wie in einem Verein. Das Jugendhaus sei eine Anlaufstelle, ein Gefäss, an der sich alle Kinder und Jugendlichen willkommen fühlen können, da ihr Erscheinen auf Basis der Freiwilligkeit basiere.
 
Was unternimmt man für frustrierte Jugendliche?
In der Diskussion wurde Andrea Rüegg gefragt, ob sie versuchten, die Jugendlichen zu erreichen, die aufs Bodemünzi gingen, auf die Pantschau oder auf den Bahnhofsvorplatz, die unzufrieden seien mit den Angeboten in Murten. Sie antwortete, dass sie bisher nicht auf diese zugegangen seien und das Gespräch mit ihnen nicht gesucht hätten. Ihre Rolle in der offenen Kinder- und Jugendarbeit sei die Zusammenarbeit mit interessierten Jugendlichen. Wenn diese nicht wüssten, was sie wollten, sei es schwierig. Deshalb hätten sie sich im Rahmen des Pantschau-Projekts selbst die Aufgabe gestellt, mit den Jugendlichen in Kontakt zu kommen, die sich in den Sommermonaten hauptsächlich auf der Pantschau aufhielten. Alexander Schroeter ergänzte die Ausführungen von Andrea Rüegg und verwies auf die Möglichkeiten, die die Kadetten den Kindern und Jugendlichen mit den drei Bereichen Sport, Kadettenmusik und Kadettenkorps böten.
 
Zur Zukunft der Offenen Kinder- und Jugendarbeit berichtete Andrea Rüegg, dass sie in letzter Zeit vermehrt wahrgenommen worden seien mit dem Resultat, ihre Arbeit ausbauen und somit mehr Zukunftsarbeit leisten zu können. Die Erweiterung der Zusammenarbeit mit den umliegenden Gemeinden über eine regionale Fachstelle sei geplant, der Start der Pilotphase sei zu Beginn des Schuljahres 2022/23 vorgesehen.

Bildung

Zur Frage, wie bildungsfreundlich Murten sei, berichtete Alexander Schroeter, dass sich die Stadt die Schulen immer etwas habe kosten lassen. Der grösste Bau sei das Schulgebäude vis à vis vom Berntor gewesen, der im 18. Jahrhundert erfolgte. Die Modernisierung des Primarschulhauses in der Längmatt mit der Sanierung der Aussenanlagen sei vor Kurzem fertiggestellt worden.  
 
Nach der Rolle der Schule in punkto Ökologie gefragt, erklärte Alexander Schroeter, dass diese nicht alles könne. Für die Herausbildung eines ökologischen Bewusstseins sei die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus erforderlich. Das Fach BNE (=Bildung für eine nachhaltige Entwicklung) sei im Lehrplan 21 ein übergeordnetes Fach, was bedeute, dass das Thema Nachhaltigkeit in allen Fächern behandelt werde. So erlebe die Frage nach dem Menschenrecht auf eine intakte Umwelt zunehmend an Bedeutung.
 
Ein Diskussionsteilnehmer befand das geltende kantonale Bildungsgesetz und dessen Umsetzung in den Schulen von Murten als elitär und engmaschig. Er wünsche sich mehr Gedankengut von den Montessori-Schulen. Er sei der Meinung, dass die Kinder nicht mehr Kinder sein dürften. Sie müssten sich dem Schulsystem unterwerfen, bei der Murtner Solennität am 22. Juni seien alle einheitlich in weiss gekleidet. Er vermisse neue, revolutionäre Ideen in der Bildung. Alexander Schroeter reagierte auf die Frage und erklärte, vom finnischen Schulsystem begeistert zu sein, weil es dort in den ersten vier Schulklassen keine Leistungsklassen gebe. Die Kinder fingen ohne Leistungsdruck an zu lernen. Das sei für ihn ein modernes Schulmodell. Die Möglichkeit von Tagesschulen, wie es sie in Ins gibt, fände er ebenfalls eine Alternative zu den hiesigen Schulmodellen. Deshalb wünsche er sich, dass dieses Thema im Grossen Rat aufgegriffen würde.
 
Stimmrechtsalter 16
Gefragt, was die Gäste über das Stimmrechtsalter mit 16 Jahren denken und was es bräuchte, die betroffenen Jugendlichen dafür zu interessieren und zu befähigen, von diesem Recht Gebrauch zu machen, meinte Alexander Schroeter, dass dies aus Schulsicht ein mutiger Schritt wäre. Es gebe Schulmodelle, wie jenes in Nidau, wo es Vollversammlungen gebe, zusammengesetzt aus Schülervertreter*innen als Entscheidungsgremium. Nur habe sich dieses Modell in der Praxis nicht bewährt.
 
Was sich im kleinen Rahmen in Murten bewährt habe, seien Projekte, die die Kinder selber vorbereiten und durchführen, wie auf dem Martinsmarkt eigene Stände aufzubauen und zu betreuen. Andrea Rüegg erinnerte zudem an den jährlichen Gänggelimärit und an das Schweden-Projekt des Jugendhauses Roxx im Jahr 2018 (unsereRegion berichtete: Jugendbegegnung mit Schweden - Die Erzählung einer Teilnehmerin).

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