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Zwei Chlorgasaustritte innert 10 Monaten - Urs Kaltenrieder vom Hallenbad Murten erklärt

von Joel Rathgeb
am
Hier wird das Chlorgas gelagert. Der Raum ist gemäss den höchsten Sicherheitsstandards ausgerüstet.

Im Juli 2020 sowie im Mai 2021 löste der Austritt von Chlorgas jeweils einen Feuerwehreinsatz im Schwimmbad Murten aus (unsereRegion berichtete: Austritt von Chlorgas im Schwimmbad Murten, Grosseinsatz wegen Chlorgasaustritt beim Hallenbad am frühen Sonntagmorgen). Der zweite Vorfall innert weniger Monate verunsicherte einige Badegäste. unsereRegion hat deshalb mit Verwaltungsrat Urs Kaltenrieder gesprochen, um den Hintergrund zu klären.

Herr Kaltenrieder, wieso kommt es manchmal zu einem Chlorgasaustritt?

Urs Kaltenrieder: Seit das Bad existiert, wird die Desinfekion des Badewassers mit Chlorgas gemacht. Chlorgas ist für die Entkeimung ideal und günstig im Betrieb. Das einzige Negative an diesem System ist die Gefährlichkeit des Gases, wenn es austritt. Der Umgang mit diesem Gas darf nur durch gut geschultes Personal erfolgen. Die ganze Dosieranlage des Chlorgases ist mit diversen Sicherheitsmechanismen ausgerüstet, so dass ein Chlorgasaustritt unwahrscheinlich ist. Zusätzlich ist diese Anlage in einem separaten Raum untergebracht, der mit Sensoren überwacht wird. Wenn es trotz aller Sicherheitseinrichtungen zu einem Austritt des Gases kommt, wird durch den Sensor ein Voralarm ausgelöst. Dieser Voralarm wird bereits bei geringsten Chlorgasmengen aktiviert. Bei normalem Betrieb geht ein Bademeister mit Schutzmaske in diesen Raum und schliesst die Chlorgasflaschen. Anschliessend wir der Lieferant der Dosieranlage aufgeboten, um das Leck zu suchen. Wenn es einen Chlorgasaustritt in der Nacht gibt, reicht die Zeit meistens nicht aus, damit ein Bademeister in kurzer Zeit in das Hallenbad und dann in den Chlorgasraum gehen kann, um die Gasflaschen zu schliessen. In diesem Fall geht der Alarm an die Feuerwehr, Polizei und Ambulanz. Dieses Szenario trat 2020 das erste Mal überhaupt ein.

Der Grund für das kleine Leck waren Rostpartikel, welche von der Gasflasche in die Armaturen gelangten und zu einer kleinen Undichte geführt hatten. Die Chlorgasmengen, die ausgetreten sind, waren sehr gering und es bestand nie eine Gefährdung für Menschen. Wegen der Gefährlichkeit des Chlorgases sind die Vorsichtsmassnahmen jedoch sehr streng und es darf absolut kein Risiko eingegangen werden, deshalb auch der grosse Aufmarsch an Sicherheitskräften.

Was ist der Grund, dass nach so vielen störungsfreien Jahren plötzlich zwei Fälle innert eines Jahres auftraten?

Urs Kaltenrieder: Wir vermuten, dass es an der Sauberkeit oder Qualität der Gasflaschen liegt. Früher hatten alle Bäder solche Chlorgasdesinfektionen. Da es heute Desinfektionssysteme gibt, die ungefährlich sind, wurden die meisten Bäder umgerüstet. So kommen praktisch keine neuen Gasflaschen mehr in Umlauf, weshalb nur noch alte Flaschen im Einsatz sind. Diese sind vermutlich die Verursacher dieser Störungen. Wir haben das System noch nicht gewechselt, weil es sehr günstig im Betrieb ist. Wir haben aber in der Investitionsplanung bereits vorgesehen, das System zu ersetzten. Nach diesen zwei Störfällen wollen wir den Ersatz vorziehen und bereits im nächsten Jahr ersetzten.

Gibt es Möglichkeiten, den Chlorgasaustritt zu verhindern?

Urs Kaltenrieder: Wenn solche Probleme auftreten, wie zuvor beschrieben, können wir nichts tun, um sie im Voraus zu erkennen. Lediglich das Ersetzten des Desinfektionssystems würde weitere Austritte verhindern.

Was würde die Umsetzung dessen kosten?

Urs Kaltenrieder: Es gibt keinen Weg vorbei an einem Ersatz des Desinfektionssystems, so wie wir ihn geplant und nun vorgezogen haben. Die Kosten belaufen sich auf rund 120'000 Franken. Zudem werden die Betriebskosten steigen.

Was würde dies für die Sicherheit der Badegäste bedeuten?

Urs Kaltenrieder: Mit dem neuen Desinfektionssystem besteht für die Badegäste absolut keine Gefahr mehr. Mit dem heutigen System besteht grundsätzlich auch keine Gefahr, ein Chlorgasaustritt kann jedoch nicht 100 Prozent ausgeschlossen werden. Deshalb ist die Anlage der Störfallverordnung unterstellt.