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Kultur /Kolumne
Karin Ledermann

In Zeiten wie diesen – von Staubsaugern und Alkohol

Vor einiger Zeit ist mir ein Staubsauger abhandengekommen – das heisst, er ist mir gestohlen worden. Aus einem abgeschlossenen Schrank vor meiner Wohnungstür. Gut, der Schlüssel hatte im Schloss gesteckt. Aber gleichwohl…
 
Nun war ich kürzlich in einem Einkaufszentrum und wie ich so den Regalen entlanglief auf der Suche nach Kerzen, stellte ich fest, dass Staubsauger zurzeit nicht zu kaufen sind. Das Rayon Haushaltgeräte ist abgesperrt. Glücklicherweise konnte ich Kerzen kaufen, zu den unmittelbar danebenstehenden Duftessenzen war der Zugriff erstaunlicherweise verwehrt - obwohl ich die auch nicht gewollt hatte. Aber ich hätte auch keine Bücher oder Spielwaren kaufen können, ich musste mich aufs Anschauen beschränken.
 
Während ich an der Kasse – selbstverständlich mit gebührendem Abstand - wartete, überlegte ich mir, dass ich heute, sollte er erneut gestohlen werden, keinen Staubsauger in meinem Lieblingssupermarkt kaufen könnte. Sollte ich zudem in der misslichen Lage sein, über keinen Internetanschluss und keinen Computer zu verfügen, könnte ich den Kauf auch nicht online tätigen. Ich müsste also zuwarten, bis die Geschäfte wieder ihr gesamtes Sortiment an den Mann, respektive die Frau, bringen dürfen. Spinne ich den Gedankenfaden weiter, müsste ich demnach in einer immer schmutziger werdenden Wohnung hausen. Oder mir den Staubsauger von einem Nachbarn entlehnen. In der Hoffnung, dass er mir nicht meinen abhandengekommenen ausleihen würde.

An und für sich könnte ich die Zeit, die ich dank des Nicht-Staubsaugens einspare, nutzen, und ein Buch lesen. Das ich aber nicht vor Ort kaufen kann. Und wie sonst soll ich wissen, was ich auswählen will, wenn ich mich mangels Internet und Computer nicht im Geschäft schlau machen, und durch die Bücher blättern kann?
 
Nachdenklich gestimmt hatte ich den Supermarkt verlassen und machte mich durch Murtens Altstadt auf den Heimweg. Die Hauptgasse und die Brunnen waren fastnächtlich geschmückt, ein wahrer Lichtblick in diesen doch eher tristen Zeiten. Die meisten Geschäfte nach wie vor geschlossen, ein Anblick der immer aufs Neue traurig stimmt und ich hoffe, dass wir uns nie daran gewöhnen werden!
 
Ich fragte mich, was an Staubsaugern, Spielsachen oder Büchern so gefährlich ist, um sie uns zu verwehren. Ich kam nicht drauf.
 
Da kam mir der Gedanke, dass ich wenigstens rauchen, mich sinnlos betrinken und auf die Lottomillionen hoffen kann, denn diese Güter sind nach wie vor – da wohl lebensnotwenig – weiterhin zu kaufen.
 
Wenn ich bloss die Logik, die sicher dahinersteckt, verstünde, dann wäre mir (und wohl noch vielen anderen) ein wenig wohler.