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Eis und Feuer - ein Besuch in der Galerie Pellegrini

von Karin Ledermann
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Das Bild von Eis und Schnee, die Blau- und Türkistöne und das vielschichtige Weiss hatten mich fasziniert, als ich das Gemälde der Künstlerin Su Aeberhard auf unsereregion.ch entdeckte (Link zum Artikel: Ausstellung «hEISs» von Suzanne Aeberhard). Es war keine Frage, dass ich die Ausstellung 'hEISs' in der Galerie Pellegrini unbedingt besuchen und die Künstlerin kennenlernen wollte.
 
Wir trafen uns letzten Samstagvormittag in den hellen Räumlichkeiten an der Deutschen Kirchgasse. Allein die Bogenfenster mit den schönen Holzrahmen sind einen Besuch wert!
 
Su Aeberhard ist eine Autodidaktin, die seit ihrer Jugend malt und sich stets weiterentwickelt hat. Nun, nach ihrer Pensionierung, findet sie endlich Zeit, sich vermehrt ihrer künstlerischen Tätigkeit zu widmen. Seit 2017 ist sie Mitglied des Kollektiv-Ateliers 'Alte Filzi' und sie hat sich, im Hinblick auf die aktuelle Ausstellung, intensiv dem Thema Erderwärmung und Gletscherschmelze zugewandt.

Ich bin keine Kunstexpertin – leider. Aber Su Aeberhards Bilder wirken auf mich kraftvoll und intensiv, ich kann förmlich das Brechen des Eises hören, wie es kracht und knackt und splittert, ich spüre die Kälte des tropfenden Wassers. Ich fühle auch die Hitze und das Glühen des verheerenden und vernichtenden Buschfeuers. Su weckt uns mit ihren Bildern auf und berührt uns. Sie hat sich kein leichtes, unbeschwertes Thema für ihre Arbeit ausgesucht, aber ihre Werke sind von schlichter Schönheit und wenn ich eines in meinem Wohnzimmer hätte, würde es mich mitnichten deprimieren. Im Gegenteil – mich lassen viele ihre Bilder zur Ruhe kommen, weil ich in ihnen die Natur wiedererkenne, wie ich sie liebe. Für Su Aeberhard ist das Malen ein existentielles Bedürfnis, es beinhaltet Konzentration und Loslassen; es gibt ihr ein Gefühl von Freiheit und innerer Ruhe.
 
Während einer Stunde unterhalten wir uns in der lichtdurchfluteten Galerie, wir betrachten die Bilder, sehen Fussgänger vorbeigehen, einige schauen neugierig zu uns hinein. Keiner betritt die Galerie und ich frage mich, ob dies dem Virus oder einer gewissen (Kunst-)Scheu geschuldet ist. Zweifelsohne leiden auch Künstler unter den Einschränkungen des Virus. Monate- oder jahrelang malt, dichtet, musiziert, zaubert, jongliert oder tanzt ein Künstler auf seinen grossen Auftritt hin; endlich ist der grosse Moment da, das 'Kind ist geboren', wird der Welt präsentiert. Und dann bleibt das Zelt, der Konzertsaal, die Bühne, die Galerie leer, weil wir beherrscht sind von Angst – oder Vernunft. Für den Künstler eine bittere Erfahrung.

Ich wünsche Su Aeberhard trotz allem noch viele Besucher, so wie ich mir wünsche, dass jeder Künstler unbeirrt in seinem Schaffen weiterfährt und uns Schönheit und Inspiration schenkt. Denn eine Welt ohne Kunst wäre eine arme Welt!