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Das Kellertheater Murten wirft Fragen zum Alltagsrassismus auf

von Marianne Oppliger
am
Das Kellertheater Murten spricht mit «Angst essen Seele auf» ein omnipräsentes Thema an.

Das Kellertheater Murten hat sich an ein Werk gewagt, das hochaktuell ist. Rassismus, Fremdenhass, Aussenseiter, all diese Feindlichkeit gegenüber nicht Dazugehörenden wurde von den Amateurschauspielern im Stück «Angst essen Seele auf» von Rainer Werner Fassbinder hervorragend in Szene gesetzt. Jede einzelne Rolle wurde von den Darstellern gekonnt und mit grosser Hingabe und Leidenschaft gespielt. Als Zuschauer wirken vernichtende Aussagen wie «die stinken, die sollen doch wieder nach Hause gehen, nur Sex im Kopf» etc. geradezu beklemmend und sind teilweise kaum auszuhalten.

Es geht nicht nur um Ausländerfeindlichkeit, man findet auch sich selbst wieder in Fragen wie «Wer bin ich, was bin ich, wie stehe ich zu mir selber, wo sind meine ganz persönlichen Ängste?» Es ist so praktisch und einfach, seine eigenen Unfertigkeiten und Eigenmängel auf Andere zu projizieren, um nicht vor seiner eigenen Türe wischen zu müssen. Das Gefühl des Nichtdazugehörens schlummert doch in jedem von uns und lässt unangenehme Gefühle in sich selbst hochkommen. Mit dieser Eigeninszenierung unter der Regie von Alex Truffer hat das Kellertheater wieder grosse Bühne geboten und jeden Zuschauer irgendwo im Innersten gekitzelt, geärgert, erschüttert oder zum Nachdenken angeregt.
 
Das Stück wird noch bis am 21.März 2020 gespielt.

So enstand das Stück «Angst essen Seele auf»