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Kultur /Kolumne
Karin Ledermann

Scheinwerfer an, Vorhang auf! Ein Blick hinter die Kulissen des Kellertheaters – Teil 1

Weder habe ich recherchiert, noch den Flyer zu der bevorstehenden Aufführung gelesen oder gar Fassbinders Film 'Angst essen Seele auf' geschaut; den ersten Blick hinter die Kulissen des Kellertheaters wollte ich völlig unbedarft machen, und so begab ich mich letzte Woche ins Theater, um bei einer Probe zuzuschauen.

Ich kann es einfach auf den Punkt bringen: ich bin beeindruckt, und ich kann Ihnen versichern, auf dieser Bühne wird nicht bloss 'ä chli theäterlet'.
 
Kurz vor Probebeginn: Mäntel, Textmappen, Wasserflaschen, ein Sack Mandarinen, ein Bühnenbild 'in Arbeit', Schauspieler, die miteinander witzeln, ernsthafte Gespräche führen oder in ihre Texte vertieft sind. Dann wird festgelegt, an welchem Akt gearbeitet wird, die Stimmung ändert sich, jeder ist mit Ernsthaftigkeit und grosser Konzentration bei der Sache. Stellen Sie sich vor, ein Ensemble von gerade mal neun Männern und Frauen spielt über 20 Rollen! Das heisst, man(n)/frau muss wiederholt in eine andere Rolle schlüpfen, einen anderen Charakter verkörpern, ihn fühlen, ausfüllen, ihn sein!

Zum vierten Mal führt Alex Truffer Regie im Kellertheater Murten – und ihm entgeht nichts. Wiederholt unterbricht er die Szene, führt die Schauspieler näher und tiefer in ihre Rollen. Aus diesem Moment kannst du mehr rausholen, sagt er etwa, und macht vor, wie mit einem zu- oder abgewandten Blick, einem halben Lächeln, einem Schulterzucken, dem langsamen Ab- oder schnellen Zuwenden, dem leichten Heben oder Senken der Stimme, eine Szene mehr Gewicht, mehr Tiefe, erhält. Es wird an Bewegungen, Blicken, Tonlagen - und natürlich dem Text - geschliffen. Geh in den Moment, fordert Alex Truffer einen Schauspieler auf, spiel die Szene aus, da kannst du noch mehr rausholen... Wiederholen, wiederholen, wiederholen! 

Ich denke, wer auf dieser Bühne mitspielt, lernt sehr viel. Über sich, über die verschiedenen Kommunikationskanäle, übers Zusammenarbeiten, er muss wohl auch kritikfähig sein und ganz sicher fix im Denken und Handeln (und Auswendiglernen).
 
Nach anderthalb Stunden intensiver Arbeit gibt es eine kurze Pause. Mandarinenduft erfüllt die Luft, Becher werden mit Wasser gefüllt, es wird diskutiert, gescherzt, die einen schnappen kurz etwas frische Luft, andere rauchen eine Zigarette. Danach geht es für das Ensemble des Kellertheaters in die zweite Runde dieses Probeabends. Und ich mache mich auf den Heimweg, den Kopf voller Fragen, denn ein Blick hinter die Kulissen befriedigt noch lange nicht meine Neugier, im Gegenteil, er hat sie nur angestachelt. Da gibt es noch vieles, was sich zu wissen lohnt – Fortsetzung folgt!