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Alles hat zwei Seiten, ausser der Violine…

… die hat vier Saiten. Und diesen vier Saiten entlockte Michael Grube an seinem bereits zur zehnjährigen Tradition gewordenen Herbstkonzert in Murten Unglaubliches.

von Alexander Schroeter
am
Michael Grube mit seiner über dreihundertjährigen Amati-Geige (Bild: zvg).

… die hat vier Saiten. Und diesen vier Saiten entlockte Michael Grube an seinem bereits zur zehnjährigen Tradition gewordenen Herbstkonzert in Murten Unglaubliches.

Vor kleinem, fast schon familiären Publikum präsentierte am vergangenen Samstag der aus Überlingen stammende und in Ecuador beheimatete Violinist Michael Grube ein Solorezital. Sein Instrument: eine Amati-Geige aus dem 17. Jahrhundert. Das ist unter den Violinen so in etwa, was ein Bentley bei den Autos ist.

Die kurzweilige Musikstunde spannte einen grossen Bogen durch die Musikgeschichte. Die beiden Ankerpunkte waren die Passacaglia von Heinrich I. F. Biber und die erste Solosonate von J. S. Bach. – Das Stück von Biber galt lange Zeit als verschollen, man wusste aber von seiner Existenz, weil Bach es bewundert und intensiv studiert haben soll. Erst in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts entdeckte man die Partitur wieder.

Form, Form und nochmals Form

Eigentlich hat die Barockmusik ja etwas ganz Modernes. Ein heutiger Popsong baut in der Regel auf einem Beat und meist einer relativ einfachen Ton- oder Akkordfolge auf. So auch Bibers Passacaglia: Vier Töne, die über zehn Minuten in einer Endlosschleife wiederholt das ruhige Fundament bilden, über dem sich die melodische Fantasie des Komponisten entfaltet – eine abwechslungsreiche und trotz ihrer Einfachheit und Formstrenge spannende Entdeckungsreise durch das Universum der Klänge, Töne und Schwingungen.

Das Schlussstück, die Sonate von Bach, leitete Michael Grube mit den Worten ein: Das sei eigentlich die ‘einfachste’ von Bachs Violinsonaten… Nun: einfach bedeutet in diesem Fall, dass im zweiten Satz dieses Werks ein Soloinstrument eine dreistimmige Fuge spielt. – Herr Grube, vielleicht müssten wir uns einmal über die Bedeutung des Adjektivs ‘einfach’ unterhalten!

Es lacht der Teufel

Zwischen den beiden erwähnten Stücken hörte man dann unter anderem auch den Teufel lachen, in Paganinis Caprice Nr. 13, es wurde Polka getanzt, mit J. F. Mazas Alla Polacca, Modernes traf auf Altehrwürdiges. – Und immer wieder gab der Solist seine persönlichen Kommentare zu den Stücken ab, denn fast mit jedem der vorgetragenen Preziosen verbindet ihn eine persönliche Geschichte.

Bleibt zu hoffen, dass Michael Grube auch auf seiner Tournee im nächsten Jahr den Weg in den Murtner Konzertsaal findet.